Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-792097
mit der er die griechifchc Formcnwclt 
modernen Lebens zu verwenden wußte. 
für die verfchiedenfien Bedürfniße des 
WVie reich der Ideenkreis des Meiflers 
war, wie felbltändig er die verfchiedenartiiglten Aufgaben von der niedriglten bis 
zur höchften zu löfen wußte, beweift die Menge feiner Entwürfe, die nur zum 
Theil ausgeführt wurden. So entfchieden war er jedoch von der Anlicht durch- 
drungen, welche die Antike als die Grundlage für die Neugellaltung der Architektur 
betrachtete, daß er felblt die gothifcluen Formen in verwandtem Sinne umzuge- 
Ilalten fuchte, ein Verfuch, der. an dem Charakter diefes Stylcs fcheitern rnußte. 
In eigenthümlich neuer und bedeutfamer Weife zeichnete er dagegen in feiner 
Bauakademie der Architektur neue Bahnen vor, indem er von der Ausbildung 
des für unferen Norden entfprechendften Materials, des Backüeins, ausging, dem 
auch das Syltem der Conßruktion in confequenter Weife lieh anfchloß. 
S0 wenig nun auch die griechifchen Formen für die Bedürfnilfe unferer Zeit 
ausreichen, eine fo unvergängliche Errungenfchaft ift darum doch ihre durch 
Schinkel vollzogene Wiedereinführung in's Leben. Nur an einem fo ftreng und 
einfach organifchen Styl vermochte die Architektur endlich wieder zum Gefühl 
des Organifchen, zur Uebereinilimmung von Inhalt und Form, zur klaren, zweck- 
cntfprechenden Geflaltung des Details und der Gliederungen zu gelangen. Diefe 
ernfle Schule war ,unerläß]ich und hätte durch keine andere erfetzt werden kön- 
nen. Daß lie auch weiterhin fchon wirkfam geworden ilt, beweifl das Beifpiel 
anderer Architekten, wie der früh verüorbene Ottmer (herzogliches Refidenz- 
fchloß und Bahnhof zu Braunfchweig, Königflädtifches Theater und Singaka- 
demie zu Berlin) und befonders Semper (das abgebrannte Theater, Fig. 467, 
zu Dresden, neuerdings nach größerem Maßflabe und durchgreifender Umge- 
ltaltung wieder aufgebaut, und- das Mufeum dafelblt), welche für die Erfordernilfe 
des heutigen Dafeins den Renailfanceflyl am geeignetllen finden, die Detailformen 
deffelben jedoch durch griechifche Bildungsweife zu veredeln und zu läutern fu- 
chen. In diefem Gebiet ill manches Bedeutungsvolle gefchaffeia worden. Nament- 
lich rechnen wir hierher die Mehrzahl der edlen, im Geifte des klaflifchen Alter- 
thums gedachten Bauten, welche Hanfen für Wien entworfen- hat, denen {ich 
in ebenbürtiger Weife und in freierer Verwendung von RenaiIIance-llilotiven die 
Bauten von Ferflel, namentlich das öflerr. Mufeum und die im Bau begriffene 
Univerfität, anfchließen. Neuerdings hat unter Leins (Palais Weimar, K. Villa 
bei Berg, Königsbau u. a.) und Egle (Polytechnikum, Baugewerkfchtile, Privat- 
bautenf-ei-ne verwandte Richtung lich auch in Stuttgart Bahn gebrochen, wo 
außerdem der klafiifch gebildete Zanth (königliche Villa der KViIheIma in üppiger 
Anwendung des maurifchen Styls) thätig war. Dem Styl der Renaiffance, mit 
befonderer Bevorzugung der deutfchen, hat {ich mit großer Begabung Rafch- 
dorff in Köln angefchloffen. 
Jener antikilirenden Richtung trat aber bald eine wefentlich verfchiedene 
entgegen, die man als romantifche bezeichnen kann. Sie hängt mit dem Auf- 
leben deutfcher Gelinnung zur Zeit und in Folge der Freiheitskriegc, mit dem
        

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