Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-792066
l-Iier haben die elegant behandelten Säulen lediglich eine Decorativitellung, da 
{ie nur die Zwifchenfriefe und Gelimfe tragen, die Bögen aber von Pfeilern auf- 
iteigen; bemerkenswerth ilt im oberen Gefchoß die Anwendung des Spitzbogens, 
fo wie das hohe, mit gothifchen Giebelblumen verzierte Dach.  Aus dem An- 
fang des 17. Jahrhunderts (1616 bis 1619) flammt das Rathhaus zu Nürn- 
berg, in einem Rrengeren Renaiffanceltyl und in tüchtigen Verhältniffen von 
Eucharius Holzfchuher erbaut. Bei aller Einfachheit hat die ftattliche Facade 
doch ein malerifches Gepräge. Auch das durch Elias Holl 1620 vollendete 
Rathhaus zu Augsburg mit feinen ernften Maifen und dem prunkvollen Gol- 
denen Saal gehört verwandter Richtung an. 
Der Privatb au in den damals größtentheils noch blühenden und mächtigen 
deutfchen Reichsiiädten fchloß {ich während des 16. und 17. Jahrhunderts mit 
feilerem Beharren den althergebrachten Grundformen an. Die Häufer bleiben 
fchmal, tief und hoch mit {teilen Giebeln. Nur in der Art der Durchbildung 
greifen die Formen der Renaillance mehr und mehr in den mittelalterlichen 
Gliederbau hinein. Ein interellhntes Beifpiel vom Jahre 1590 ift das Top- 
ler'fche Haus am Panierplatz in Nürnberg, mit hohen Giebeln, zierlichen 
Erkern, Halbfätrlen, die {ich fialenartig erheben, und rundbogigen Fenltern; eins 
der {tattlichfien Werke ift das Haus zum Ritter in Heidelberg.  Eine be- 
fonders glänzende und mannigfaltige Entwickelung hat der Privatbau in Danzig 
erlebt. Man findet in den älteren Theilen der Stadt eine Menge reich ge- 
fchmückter Facaden, von durchaus mittelalterlichem Aufriß, aber mit antikiii- 
renden Pilafterltellungen decorirt. Das Innere ift durch malerifche Treppenan- 
lage, fchöne Säle mit prächtig gefchnitzten oder in Holz ausgelegten und gemalten 
Decken anziehend. Es begegnet hier oft die Verbindung von mittelalterlichen 
Netzgewölben mit toskanifchen Säulen, Zahnfchnitt- und Eierftabgefimfen.  
Eins der prächtiglien derartigen Werke in ganz Deutfchland ift der im Jahre 
1589 begonnene weftliche Giebel des Gewandhaufes zu Braunfchweig, wo 
die antiken Formen in phantaftifcher Willkür dem nordifchen Hochbau in vielen 
gedrückt niedrigen Stockwerken angepaßt lind. Aehnlich, nur mit geringerer 
Flächengliederung zeigt {ich das aus dem 17. Jahrhundert flammende Leibnitz- 
Wohnhaus in Hannover, ein breites, hohes Giebelhaus, reich mit Decora- 
tionen im Barockityrl bedeckt und mit einem malerifchen Erker gefchmückt. Der 
neuerdings abgebrochene Apothekenßügel des dortigen Rathhaufes vom Jahr 
1566 war ein interefTantes Beifpiel von der zierlichen Weife, mit welcher diefer 
Styl auch den Fachwerkbau zu behandeln wußte. Andere reich ausgebildete 
Privathäuler diefer Gattung finden {ich in Lemgo.  Von eleganter Zierlichkeit 
H1 das jetzige Kreisgerichtsbäude zu Minden, ein hohes {teinernes Giebelhaus, 
deflen Fagade in fechs Stockwerken mit fein canellirten Halbfäulen ausgeitattet 
ili; auch Müniler weilt ein in der Nähe des Rathhaufes gelegenes Haus mit 
ungemein zierlichem Erker in reicher Barockdecoration auf. 
 Ueberaus anziehend und für Deutfchland bezeichnend ilt die große Aus-
        

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