Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-792057
JVV 
zu Dresden, dem dann in höherer Ausbildung der fchöne Hof mit feinen 
vier Schneckentreppen 154.7 folgte. Dagegen iR das um diefelbe Zeit erbaute 
Piaftenfchloß zu Brieg ein Beifpiel italienifchen Einßutfes, während das noch 
wohlerhaltene Portal des Schloiles zu Liegnitz wiederum auf niederländifche 
Hände hinweift. Um die Mitte des Jahrhunderts entftand der originelle Back- 
fieinbau des Fürltenhofes in Wismar, bald darauf in franzöiifcher Anlage das 
bedeutende Schloß zu Gültrow. ln Süddeutfchland gehören zu den wichtig- 
lten Bauten die Relidenz zu Landshut, welche feit 1536 von Italienern er- 
richtet wurde, während ebendort die etwas fpätere Trausnitz {ich in freierer 
Auffaifung bewegt. Letzteres gilt auch von dem feit 1537 erbauten Schloß zu 
Tübingen und dem etwas fpäteren zierlichen Schlößchen Gottesau bei Karls- 
ruhe. Zu den anfehnlichften Werken gehört fodann das malerifch wirkfarne 
Alte Schloß in Stuttgart, außen mit gewaltigen runden Eckthürmen, innen mit 
einem Hof, der in mehreren Gefchoflen von Säulenhallen umgeben wird, 
1553_157o erbaut. Noch reicher, eins der phantalievolllten Gebäude der Re- 
nailfancc, war ebendort das fogenannte Neue Lufthaus, das erft in unferem 
Jahrhundert einem häßlichen Theaterbau weichen mußte. Zierliche Säulenhallen 
vom Jahre 1572 zeigt auch das kleine Schloß zu Offenbach, durch einen 
glänzenden Saal mit prächtiger Holzdecke zeichnet {ich das Schloß zu Heiligen- 
berg aus. Ein Mufler phantafiereicher und edler Frührenaiilänce ifl der Otto- 
Heinrichsbau im Heidelberger Schloffe (1556-1559). Der Reichthum der 
bildnerifchen Ausflattung, die zierlichen zweitheiligen Fenller, deren Pfoflen fo- 
gar mit Sculpturen bedeckt find (vgl. Fig. 466), und manche andere ltlotive 
geben einen Anklang an die lombardifche Bauweife, wie wir lie an der Certofa 
zu Pavia fanden. Die einzelnen GefchoiTe lind durch Friefe vollfländig getrennt, 
und zwifchen je zwei Fenflern vertritt ein fchlanker Pilafter die verticale Gliederung. 
Der Friedrichsbau deifelben Schloffes, von 1601 bis 1607 errichtet, fchließt 
[ich in den Grundzügen dem vorigen an, hat aber fchlankere VerhältnilTe, hohe 
Giebelauffätze von barock gefchwungener Form und betont durch die Verkröpfung 
der Zwifchengelimfe über den Pilaflern die auffleigende Richtung kräftiger. Zu 
den bedeutendflen Bauten der fpäteren Zeit gehören fodann die älteren Theile 
der Relidcnz zu München. Ebendort der intereilhnte Arkadenhof der alten 
Münze. 
Unter den Rathhäufern ift zunächll die fchöne Freitreppe fammt Balkon 
am Rathhaufe zu Görlitz vom J. 1537, noch früher mehrere Rathhäufer im El- 
faß, das zu Ober-Ehnheim von 1523, das in Enfisheim von 1535 zu nennen. 
Von 1550 datirt die prächtige Doppelhalle des Rathhaufes zu Pofen, von 1552 
das Rathhaus zu Mühlhaufen im Elfaß; 1563 folgt das malerifche und originelle 
Rathhaus zu Altenburg und bald darauf die prächtigen Rathhausbauten zu 
Bremen, Lübeck (hier in beiden Fällen nur Zufätze zu älteren Bauten), ferner 
zu Emden, Rothenburg, Schweinfurt u. A.  Von fchönen luftigen Ver- 
hältniffen iR die Bogenhallc am Rathhaus zu Köln, 1569 bis 1571 erbaut.
        

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