Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-792014
Jxla 
und phantafielofer italienifcher Renaiffancefiyl geübt wird, während man für 
Kirchen und Schulen, fowie für Burgen, den heimifchen gothifchen Styl nicht 
minder trocken handhabt. 
In den Niederlanden zeigen einige Bauwerke des 16. Jahrhunderts die 
Frührenaiffance in zierlich reicher Behandlung. So die 1538 vollendete, noch 
überwiegend gothifche Kirche S. Jacques zu Lüttich, und befonders die neuer- 
dings durch Brand gänzlich zerftörte Börfe zu Antwerpen vom Jahre 1531. 
Höchft fchwerfällig ift dagegen der Styl des Juftizpalaftes zu Lüttich. Ueber- 
aus mächtig und bedeutend in edler, {irenger Behandlung zeigt {ich das Rath- 
haus zu Antwerpen, und in verwandter Auffaffung die fpäteren Theile des Rath- 
haufes zu Gent. Im 17. Jahrhundert trat an dem von Jacob van Campen 
(1- 1658) erbauten Rathhau fe zu Amflerdam jene nüchterne Weife der gleich- 
zeitigen franzöfifehen Architektur hervor. Die Doppelreihen korinthifcher Pila- 
fter, zwifchen welchen die Fenfter eines ganzen und eines halben Gefchoffes ein- 
gerahmt lind, geben eine etwas monotone Wirkung, und der mit Bildwerlten aus- 
gefüllte Mittelgiebel {teht nicht recht in Uebereinftimmung mit den nach nordi- 
fcher Art beibehaltenen hohen Dächern. Dennoch gewährt das Gebäude ver- 
möge feiner {tattlichen Verhältniffe und feiner vortrefflichen Raumanlage den 
Eindruck gediegener Tüchtigkeit. 
Deutschlandr) hat nicht fo früh wie die weltlichen Länder fein Gebiet den 
Einfiüden der Renaitfance geöffnet, Erft um die Mitte des 16. Jahrhunderts 
dringen diefelben allmählich ein, verbinden {ich in mannigfacher Weife mit den 
gothifchen Formen und Grundgedanken, und bringen manche anmuthige Werke 
diefer Mifchgattung hervor. Von dem kräftigen Styl der Ornarnentik aus den 
erften Epochen der deutfchen Renaiffance bietet Fig. 463 eine Anfchauung. Im 
letzten Viertel des I6. Jahrhunderts kam jene Vorliebe für geometrifche Spiele- 
reien, namentlich für Nachbildungen eiferner Befchläge auf, von welchen wir unter 
Fig. 453 und 454 Beifpiele gegeben haben. Ganz anderer Art {ind jene eingeleg- 
ten Ornamente, welche {ich namentlich an den Holzarbeiten der Zeit, dem Mobi- 
liar, aber auch den Wandvertäflungen finden. Sie befiehen, wie Fig. 465 zeigt, 
aus einem in Voluten auslaufenden Blattwerlt, das in der abftrakten Stylilirung 
eine an maurifche Decorationsweife erinnernde Behandlung verräth und eine an- 
ziehend lebendige Wirkung macht. Sie erhält {ich in höchft anziehender Frifche 
bis etwa gegen 1620. Von da bis zum Ausgang des I7. Jahrhunderts fcheint 
der dreißigjährige Krieg, delfen Verheerungen Deutfchland auf lange Zeit er- 
fehöpften und feine Culturentfaltung lähmten, alle bedeutenderen künftlerifchen 
Unternehmungen erftickt zu haben. Sodann aber beginnt gerade im Norden 
Deutfchlands mit dem neu erftehenden preußifchen Staate eine hervorragende 
architektonifche Thätigkeit, welche bis nach der Mitte des 18. Jahrhunderts rültig 
in Uebung bleibt und auch in den füdlichen Gegenden durch ähnliche Merk- 
 Vergl. meine Gefchichre 
der deutfchen Renaiffance. 
Stuttgart 1872. 
2 Bde.
        

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