Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-788644
einen zierlichen vorfpringentien Querreifen, bei g einen Schmuck von aufgereihten 
Glas- und Bernlteinperlen. Außerdem findet man Ilaar- und Nähnadehl, Arm- 
und lfingerringe von Bronze und von Eifen, bronzene und eiferne Meffer u. A. 
Noch bedeutender war die Aufdeckung des ungeheuren Todtenfeldes- von 
Hallftadt im Salzkammergut, das beinahe taufend Gräber enthält, die rnit ihrem 
reichen Inhalt wichtige Auffchlülle über die Cultur jener frühen Eifenperiode 
gewähren. Man fand hier nicht blos die zahlreichen Ueberrefle verbrannter und 
unverbrannter Leichen, fondern zugleich die mannigfaltigften Geräthe und Schmuck- 
fachen aus Gold, Bronze und Eifen, aus Glas und Bernliein, aus Thon und 
Elfenbein. Unter den Schwertern überwiegt fchon das Eifen; einige verbinden 
mit der eifernen Klinge einen Griff von Bronze. Die zweifchneitligen Klingen 
haben bisweilen der Länge nach in der Mitte eine Rippe, die Griffe find im 
Ganzen roher gearbeitet, als die der frühen Bronzezeit, bisweilen jedoch mit Bern- 
flein und Elfenbein eingelegt. Zahlreicher find die Dolche mit eifernen Klingen 
und mit Griffen von Bronze oder Elfenbein, noch zahlreicher die NVurffpieße 
und Lanzen, welche fämmtlich von Eifen find. Ueheraus mannigfaltig find die 
Schmuckfaehen, die Gürtel aus Bronze- und Goldblech, mit Linien in verfchie- 
denen Mufiern, mit Kreifen und Spiralen, aber auch mit Menfcheil- und Thier- 
figuren gefchmücltt. Reich ift ferner die Zahl der mannigfach geflalteten Fibulae, 
die Haarnadeln, die Ringe und Spangen von Bronze und Eifendraht, von Glas 
und Horn, die Halsketten von Bernitein- und Glasperlen. Außerordentlich groß 
ift die Zahl der Bronzegefiiße verfchiedcner Art, Ketfel, Eimer und Vafen, Näpfe 
und Schöpfgefäße von trefilicher Arbeit und fchön ausgebildeten Formen. Die 
Thongefäße find immer noch aus freier Iland, oder über Formen, ohne An- 
Wendung der Drehfcheibe gemacht. Die llallllädtet" Funde feheinen der älteren 
Eifenzeit anzugehören, und es ill charakterillifch, daß hier auch Bronzegeräthe 
mehr durch die Kunfl des  Walzen und Hämmern, als durch 
Gießen hergeflellt lind. 
Ganz anders gellaltet {ich tlas Culturbild in den Ueberreilen des Pfahlbaties 
von La Töne bei Marin im Netienbtirgerfee. llier kommt die Bronze nur ver- 
einzelt vor, das Eifen dagegen hat in den Waffen, den Geräthen und fogar den 
Schmuckfachen die Überhand. Die trefiliche Arbeit an diefen Werken bezeugt 
einen Fortfchritt in der Entwicklung, und bewciil", daß wir hier in der eigentlichen 
Eifenzeit angekommen find. Zahlreiche Schwerter, Lanzen und Wurffpicße von 
mannigfaltiger Form, Aexte, Gabeln und Kellen, Schabeifen und Metier beweifen 
die gewandte und vielfeitige Verwendung des Eifens. Die Pibulae find ebenfalls 
von Eifen, andre von Bronze und von Silber. Alle diefe Werke tragen ein 
von den römifchen Arbeiten abweichendes (ieprüge, V0 dilß man hier im Aus- 
gange jener ältellen Zeiten, die vielleicht nahe-an das Auftreten der Römer in 
diefen Gegenden grenzen, die letzten Spuren einer felbfländigen einheimifchen 
vorgefchichtlichen Cultur anzuerkennen hat.
        

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