Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-791755
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mit Querfchiff, oder des griechifchen Kreuzes mit gleich langen Schenkeln, oder 
eines polygonen Baues anfchließen. Immer jedoch blieb die Kuppel ein Haupt- 
erforderniß. Man bildete {ie indeß nicht mehr nach mittelalterlicher Weife poly- 
gon, fondern nach römifchein Mufter und Brunellescds Vorgange wieder rund, 
und zwar meiftens über hoch auflleigendem Tambour, der mit Pilaftern verziert, 
von Fenftern durchbrochen und mit einem Gefims gekrönt wurde. Für das 
Aeußere brachte man nach antikem und byzantinifchem Vorbilde das runde 
Profil der Wölbung wieder zur Geltung, jedoch bedeutend fchlanker, mindeitens 
in der Geßalt einer Halbkugel, gewöhnlich in elliptifcher Anlteigung. Die Be- 
krönung bildet eine Laterne, die Gliederung des Tambours wurde durch Pilafter- 
ftellungen bewirkt. Aehnlich fchmückte man die übrigen Flächen des Aeußeren: 
manchmal in einfach-edler Weile. WVo indeß der innere Raum und die durch 
ihn bedingte Geftalt des Aufbaues in Widerfpruch mit den antiken Decorations- 
mitteln trat, das war die Facade. Um fie bedeutfam, ihrem Wefen entfprechend 
zu gliedern, hatte man nur Pilailer- oder Säulenftellungen zu verwenden. Manch- 
mal brachte man diefe in zwei Gefchoffen über einander an, in einiger Ueber- 
einftirnmung mit dem zweiftöckigen Inneren. Allerdings wußte man den Ueber- 
gang vom unteren zu dem fchrnaleren oberen Gefchoß meiitens nicht anders zu 
bewirken, als durch jenes willkürliche Glied mächtiger, volutenartig gefchwunge- 
ner Mauerftücke, die ein unfchönes Decorationswerk lind. Häufig aber fetzte 
man eine in's Koloifale ausgedehnte Säulenüellung vor die Facade, mit deren 
Dimenfionen die kleinen Fenfier und Portale nicht felten in Mißverhältniß 
Heben. Auf das vorgekröpfte Gebälk der Säulcnordnuilg wird fodann eine Attika 
geitellt. 
In grellem Widerfprtieh mit dem erfirebten monumentalen Charakter befinden 
fich endlich auch die Fenfter. Man bildet Iie nach Vorgang der Profanbauten 
meift viereckig, mit einem antikifirenden Rahmenprofil, oft von einem dreieckigen 
oder runden Giebel bekrönt, der dann wohl auf Pilaftern oder Säulen ruht. 
Selbfi wenn man, was felten gefchieht, ihnen einen Bogenfchluß gibt, fehlt diefe 
Einfailung nicht. Diefe Geilalt ift aber offenbar zu fehr auf die kleinen Ver- 
hältniHe und geringeren Stockwerkhöhen tder Privatarchitektur berechnet, um 
nicht an mächtigen monumentalen Bauten kleinlich zu wirken. 
Innerhalb dicfer Epoche der Hochrenaiffance läßt {ich etwa feit 1540 eine 
Umwandlung des Baugeißes bemerken, welche mit allmählichen Uebergängen zu 
dem fpäteren Barockflyl hinleitet. Daffelbe Beltreben nach {lrenger Reinheit der 
Formen herrfcht auch jetzt noch, nur ift ein etwas kühlerer Hauch von Reflexion 
und Berechnung in die Zeit gekommen. Man traut nicht mehr dem Vermögen, 
bei mäßiger becoration durch Verhältniffe und Anordnung allein zu wirken; 
man fucht vielmehr den Ausdruck, den man beabfichtigt, durch fchärferes Be- 
tonen des Einzelnen zu erreichen; die Halbfäule und mit ihr ein viel kräftiger 
vortretendes Detail verdrängt den früher vorherrfchenden Pilafler, und befonders 
-die Innenräume werden mit Decorätion aufs Reichfle bekleidet. Doch ifl die
        

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