Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-791719
tur nur eine conventionelle Bedeutung. Diefes Verhältniß hätte zu den größten 
Uebertreibungen und Ausartungen führen rniiITen, wenn nicht in diefer Zeit noch 
der Sinn für fchönes Maß und Harmonie den Gefarnmtcharakter der eriten Epoche 
und der tüchtigflen Meifler beherrfcht hätte. Betrachtet man unter diefer Vor- 
ausfetzung, was fie geleiltet haben, fo wird man die weife Mäßigung in der höch- 
Ren Fellellofigkeit bewundernd anerkennen. 
Das Streben diefer Blüthezeit der Renaillance ift nun befonders auf Groß- 
räumigkeit gerichtet. Die freie Anordnung, das geniale Schalten mit bedeutenden 
Matfen hat vielleicht in keiner Zeit höhere Schöpfungen an's Licht gefördert. 
Doch hat man diefe vorzugswcife am Profanbau, namentlich an den Paläften, 
zu fuchen. Hier wurde den Architekten völlig freie Hand geladen, fo daß lie 
die einzelnen Aufgaben in mannigfaltigfter Weife löfen konnten. Für die 
Bildung der Facaden wurde nun das mittelalterliche Syfiem ganz verlallen. 
Man componirte mit horizontalen Schichten, indem man den ganzen Bau aus 
deutlich markirten Stockwerken {ich aufrichten ließ. Die trennenden Geiimfe 
maß man nach der Höhe der Stockwerke ab, diefe felbft aber wußte man fo in 
Harmonie zu bringen, in fo angemeffenci" YVeife die verfchiedenen Gefchoffe nach 
Höhe, Eintheilung und Profilirung zufammenztiftimmen, daß gerade hierin eine 
der höchfien Leillungen diefer Epoche belteht. Eine untergeordnete Vertical- 
theilung durch Pilafter, vrie man Iie den antiken Theatern, befonders dem Colof- 
feum abfah, belebt dann weiterhin die Flächen. Von den Gefimfen diefer 
Epoche, fowohl den krönend abfchließenden, als den bandartig verknüpfenden, 
haben wir fchon in Fig. 415 u. 4.16 Beifpicle gebracht. Für die Fenfier tritt 
ebenfalls mehr und mehr die antike Behandlung und damit der rechtwinklige 
Abfchluß in Kraft. YVohl wendet Bramante an feinen Paläflen auch das Rund- 
bogenfeniler noch an; aber er faßt es, wie Fig. 442 zeigt, in eine rechtwinklige 
Umrahmung und giebt durch elegante Pilailer und zierliches Geiims der antiki- 
iirenden Auffaffting vollendeten Ausdruck (vgl. die Facade in Fig.  Bald 
verdrängt der horizontale Fenflerfturz den Bogen, _und das rechtwinklig gewordene 
Fenßer erhält ein krönendes Gefims. Allein fchon Rafael Hrehte nach einem 
kräftigeren Rahmen, und fo erhielten die Fenfter der Hauptgefchofle häufig eine 
Einfalfung von Halbfätilen, mit denen dann ein vollftändiges Gebälk nach antikem 
Zufchnitt verbunden war. Damit nicht zufrieden wurde als Krönung den Fen- 
ftern ein kleiner Giebel gegeben, wie Fig. 443 zeigt; ja um der reicheren Ab- 
wechfeltmg willen ließ man folche gerade Giebel mit gebogenen wechfeln (vgl. 
den Palaft Pandolüni in Fig.  So hatte man die Form jener Wand- 
nifchen, die bei den Römern fchon beliebt war (vgl. die Aediculä im Pantheon, 
Fig. 220 und 221), für die Fenfter der Profanbauten verwerthet. Bei den Porta- 
len giebt man zunächft dem geraden Sturz den Vorzug, verflärkt wohl das 
Rahmenwerk durch Pilafler oder gar I-Ialbfäulen und fügt ein kräftiges, von Kon- 
folen getragenes Gefimfe, bisweilen auch den krönenden Giebel hinzu. Der Reich- 
thum plaflifcher Ziermittel, den die Frührenaiilance auch an den Portalen zu
        

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