Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-791417
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Tance 
werkhöhen, oft auf verfchiedenem Plane dürftig ausgeglichen durch Stufen, die 
ein ewiges Treppauf und -ab ergeben, regellofe Austheilung verfchiedenartigei" 
Fenfler, Mangel an einheitlicher Ausprägung. Dagegen in der Renaillhnce gleich- 
artige Räume auf demfelben Plan in den Ausdruck ebenmäßig durchgebildetei" 
Stockwerke zufammengefaßt, Abftufung der GefchoiTe nach innerer Bedeutung 
und künfllerifchem Wohlverhältniß, endlich Durchführung bis ins Einzelne mit 
den Mitteln, zum Theil auch im Geifle der antiken Formenwelt. DaB letztere 
dabei ganz frei zur Verwendung kam, ift felbflveriländlich; was (ie dadurch an 
Strenge und Correktheit einbüßte, gewann fie an Hüfligem Leben und hoch- 
eigenthümlicher Empfindung. 
Der florentinifchc Palallbau gruppirt feine Räume ftets um einen an- 
nähernd quadratifchcn Ilof. Derfelbe wird mit Säulenhallen umgeben, die {ich 
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 Knpel-le des Pal. Veuchio in Florenz. 
oft in den oberen Stockwerken wiederholen. Die Säulen werden frei der Antike 
nachgebildet, fali immer mit einem Kapitäl, das Anklänge an das korinthifche 
enthält. Doch hat es in der Regel nur eine Reihe von Akanthusblättern, wäh- 
rend die Mitte und die Ecken oft durch Embleme, Thicrgeflalten oder phan- 
taftifche Gebilde ausgefüllt und hervorgehoben werden. Ein fchönes Beifpiel 
diefer Art geben wir in Fig. 405. Zwei weitere Beifpiele vom Pal. Scrofa zu 
Ferrara (Fig. 4.06 und 407) zeigen, welcher Mannigfaltigkeit der ornamentalen 
Ausbildung diefe Kapitäle fähig lind, und wie frei die Meilter der Frührenailfance 
die aus der Antike gefchöpften Motive verwendet haben. Diefelbe Zufammen- 
fetzung wiederholt {ich an den Kapitälen der Pilaiter, welche letztere mit Vor- 
liebe an den Facaden als eintheilende Glieder, oder an Portalen, Nifchen, Grab- 
mälern u. dgl. als Einfaffung verwendet werden. Unter Fig. 4.08 und 409 {ind 
zwei florentiner Pilaiterkapitäle dargeftellt, bei welchen das Akanthusblatt durch 
rundlichere Zeichnung (ich von dem fchärfer gezahnten in Fig. 405 unterfcheidet. 
Jene gehören dem Holzilyl, diefes dem Steinftyl an, wie denn überhaupt die 
Renaiffance ihre Formen genau dem verfchiedenen Material entfprechend zu be- 
handeln pflegt. Dagegen lind die unter Fig. 4.10 und 411 beigefügten Pilafter-
        

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