Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-791394
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in Italien. 
Ren aiffance 
Ecken und Fenftereinfatfungen, mit jenen breiten, tief eingefchnittenen Fugen 
zwifchen den einzelnen Werkllücken (Boffagen) ausgeführt, was einen befonders 
tüchtigen, derben Eindruck macht. Daher der Name Rultika (bäuerliche Ord- 
nung). Die Technik ift durchweg flreng und gediegen.  
War die griechifche Architektur hauptfächlich Tempelbau, beruhte auch im 
chrifllichen Mittelalter der Schwerpunkt des architektonifchen Schaffens in den 
kirchlichen Denkmalen, fo Reht bei der Renaitfance der Profanbau im Vorder- 
grund, nicht nach der MaITe der Leillungen, denn darin bleibt die kirchliche 
Kunlt keineswegs zurück, fondern nach dem für alle Zeiten gültigen Werthe 
derfelben. Seit der Römerzeit hatte der Profanbau nicht mehr diefe Bedeutung 
gehabt. Jetzt aber tritt er entfcheidend 
l   "fl hervor, und indem er {ich vor Allem 
t W  ,    der Verherrlichung des Einzeldafeins 
  i,  VVJX N  rät; widmet, erhebt er den Privatbau zur 
  höchPten Stufe kiiniilerifcher Bedeu- 
  4   ,  
     
i   ä    
 hinab zu der einfachflen bürgerlichen 
t w,  lrorm, erfahrt jetzt zum erlienmal feit 
 f   ff" dem Alterthum eine muflergültige Be- 
i.   0 i'm, handlung. Kein Wunder, daß zu 
l,    diefen Aufgaben die Formenwelt der 
   a  l   geifiesverwandten Römerzeit herange- 
11-'    winde; aber im Verwendung 
 NT  war eine ganz freie, ohne jemals die 
    v, nur aus den Lebensgewohnheiten felbft 
.ii' Äjiglidli i. "l {ich ergebendeCompoGtion des Ganzen, 
Fig. 405. Flurcntinifehes Siiulenknpithl. die Gellaltung der räumlichen Verhält- 
 niffe zu bedingen. Bequeme Verbin- 
dung fchön gruppirter Räume von edlen Verhältniflen und reichlicher Beleuch- 
tung; Ausdruck der inneren Wohlordnung durch ein lebensvoll gegliedertes 
Aeußere: das ili das Programm, welches keine Zeit je {o vollkommen gelöü hat 
wie die der Renaiffanee. 
Toskana, und hier wieder Florenz ift der klaffifche Boden, wo {ich diefe 
neue Schöpfung vollzieht. An den Paläüen der fürftengleichen Kaufherren, welche 
den Sinn für Luxus und Behagen mit freiem Verftändniß des Schönen verbanden, 
entwickelte {ich das Urbild aller modernen Privatbaukunü. Nur in {iädtifcheil 
Gebäuden konnte {ich die regelmäßige, {yrninetrifche Form des Palaiies heraus- 
bilden, während irnMittelalter, befonders dieffeits der Alpen, an der einzeln in 
freier Landfchaft, auf {ieiler Gebirgskuppe {ich erhebenden Burg des Ritters die 
Zufälligkeiten der Terrainbildung und die Verfchiedenartigkeit der Beftimmungen 
eine malerifch freie, fcheinbar willkürliche Gruppirl-lüg der Bßllnlüilen, eine Glie-
        

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