Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-791249
Verfchwendung, noch zu der völligen Auflöfung der Formenwelt in ein phan- 
taftifches Spiel, wie in England. Der Efelsrücken und die Fifchblafe {ind auch 
hier überwiegend gebraucht; im Innern herrfchen reichere Gewölbanlagen, Stern- 
und Netzgewölbe aller Art. Die Profilirungen des Maßwerks verlieren an elafii- 
fcher Spannung, die Stäbe durchfchneiden {ich oft in unruhiger Weife (Fig. 391), 
das Laubwerk erhält eine theils fchwülitige, theils knöcherne, bucklige Form, 
und zuletzt entartet die Steinbildung fo weit, daß {ie in Nachahmung verfchlun- 
genen Baumgeäfies {ich ergeht. An den Stämmen der Tragfäulchen, an Sockeln 
und Bafen, erfcheinen mancherlei bunte Mulier, rautenförrnige und rundliche 
Stabverfchlingungen, befonders aber Stäbe, die in Spiralwindungen den Schaft 
bedecken. Schließlich findet auch oft eine Verbindung mit den Formen der neu 
auftauchenden Renaillance ltatt. Wir fügen unter Fig. 392 eine Abbildung von 
den Chorliühlen der Stiftskirche zu Altenburg bei, an denen {ich die meillen 
Eigenheiten diefer Spätzeit vereint finden. 
Ueberaus phantafievoll {ind in der fpätcren Zeit oft die dekorativen Arbeiten, 
namentlich die Schnitzwerke an den Chorliiihlen, an welchen die iippigere 
Entfaltung einer fpielenden Flächenornamentik volle Berechtigung hat. Von der 
eigenthümlichen Behandlung, welche an folchen Werken das Laub- und Ranken- 
werk erhält, geben wir in Fig. 393 und 394 ein paar Proben. In beiden Fällen 
iit es ein Blattwerk, das in freier Umbildung naturalifiifcher Motive {ich überaus 
lebendig und originell entfaltet. 
Bei der Aufzählung der einzelnen Denkmäler, wo wir ebenfalls nur das 
Wichtigfie kurz hervorheben! können, werden wir zwei Hauptgruppen zu fondern 
haben, die {ich nach dem verfchiedenen Material von felbft ergeben. Im nord- 
dcutfchen Tieflande, wo wir fchon in romanifcher Zeit den Ziegclbau antrafen, 
finden wir auch jetzt eine Fortbildung der Back Rein-Architektur, die den 
gothifchen Formen eine gewiffe, dem Material entfprechende Umwandlung gegeben 
hat, und deren Denkmäler gefondert zu betrachten lind. 
Hauüeinbauten. 
Die Bauwerke, an denen zuerft die gothifchen Formen auftauchen, zeigen 
diefelben noch im Kampfe mit romanifcher Ueberlieferung. So das zehnfeitige 
Schiff von S. Gereon zu Köln, 1212 bis 1227; ferner der Chor des Doms zu 
Magdeburg, gegen 1211 begonnen. Confequenter tritt dagegen der Styl an 
der Liebfrauenkirche zu Trier (1227-1244) und der Elifabethkirche zu 
Marburg auf, die von 1235-1283 als erfte gothifche Hallenkirche erbaut wurde. 
Seinen Höhenpunkt erreicht der Styl am Dorn zu Köln, defTen Chor von 1248 
--1322 ausgeführt, eins der großartiglien Werke der gothifchen Baukunß; ifl (vgl. 
die Figuren 321-324, 347, 349, 365). Ueberaus glänzend ift fodann die 
Katharinenkirche zu O ppenh eim, edel mit feinem durchbrochenem Thurmhelm 
das Münfler zu Freiburg und die Kathedrale zu Straßburg mit ihrer von
        

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