Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-791132
374 
Gothifcher 
Bauftyl. 
an den Gewölben kommen, in Verbindung mit dem complicirten Rippenfyfiem 
der netz- und ßernförmigen Anordnung, mancherlei Maßwerkmufter vor. Außer- 
dem wird ein keckes Spiel mit den wichtigflen Elementen der Structur getrieben, 
indem man die Rippen an dem_einen Endpunkte von einer freifchwebenden 
Confole aufßeigen läßt, wie es fammt den übrigen Formen diefer Zeit namentlich 
an dekorativen Werken, z. B. am Lettner der S. Madeleine zu Troyes vom 
Jahre 1506 vorkommt. Von der reichen Gliederung, welche die Pfeiler fchon 
feit dem 14.. Jahrhundert erfahren, gibt Fig. 372 eine Anfchauting. Im füd- 
lichen Frankreich erfährt die gothifche Architektur bisweilen eine auffallende 
Vereinfachung und Umgeilaltung wie an 
I, i   I, den Kathedralen zu Alby und Poitiers; 
   x  i  fjfy- andere dagegen, wie die Kathedralen zu 
XX     l  Dijon, Lyon, Clermont, Narbonne, 
      i P 11  i,  Limoges, Bordeaux nehmen den reich 
  1 x i"!  zigfiilk    U   i; i.  entwickelten gothifcheil Styl vollfländig auf. 
xx  lx   N  "l      ln der Schweiz fchließen {ich die Kathe- 
x  l  il, l   Ti   dralen von Genf und Laufanne demfel- 
V 1 V   , 
i   bLn iiilitenlijerjlfqein -Architektur ifl in 
   1  Frankreich durch zahlreiche prächtige Denk- 
    p male vertreten. Wir nennen nur den 
' Q4   1 ("Pi Juftizpalaft zu Rouen; das Haus des 
11       rhwxitllii  Jacques Coeur in Bourges; das Hötcl 
  l Ü.    WEH:  {X  de Lldny zu Paris, dasSchloß Mcillan, 
i:     {Wim    das Holpital zu Beaune ll'1 ldurgund.  Um 
  F:  Wlilällrl  u  eine Vorilellung von dem zierlich reichen 
k;   njgiiwgäxiill__-.'--    l Style des franzöiifch-gotlufchen Profanbaues 
  i  zu geben, fügen wir unter Fig. 373 nach 
Fig ÄSL Chor dekhedrale von Limnhh Viollet-le-Duc ein Fenfler des im Jahre 
1841 zu Paris zerftörten Hötel de 1a 
Tremouille bei. Ein {Ieinerner Kreuzflab theilt das Fenfter, das durch eine 
durchbrochene hlaßwrverkbekrönung, den Wimpergen der Kirchenfenller entfpre- 
chend, reichen Schmuck erhält. Ebenfo iR die Fenfterbrüilung mit Maßwerk 
bedeckt. 
In den Niederlanden verbreitete {ich bald von dem benachbarten nord- 
öftlichen Frankreich aus der dort herrfchende Rrenge gothifche Styl, der in feiner 
primitiven Geltaltting felblt während der fpäteren Epochen in Uebung blieb- 
Früh und ftreng erfcheint S. Gudula in Brüffel, elegant entwickelt der Chor 
der Kathedrale zu Tournay, und als eins der großartiglten Denkmale die 
Kathedrale von Antwerpen.  In Holland, wo das gothifChe Syftem im All- 
gemeinen etwas nüchterner aufgefaßt wird, lteht die Kathedrale in Utrecht als 
eins der {tattlichflen Werke da.
        

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