Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-791086
Sodann ift im Voraus noch darauf hinzuwcifcn, daß die meiflen größeren gothi- 
fchen Kirchen aus Bellandtheilen der mannigfachfien Bauepochen zufammenge- 
fetzt lind, da man nicht allein romanifche Refte oft beibehielt, fondern auch 
bei den koloITal angelegten Kathedralen oft Jahrhunderte lang zu bauen hatte, 
{o daß {ich die verfchiedenen Wandlungen des Styles manchmal an demfelben 
Bauwerke nachweifen laHen. 
In 
Frankreich 
und 
den 
Niederlanden. 
Daß der 
Schule von 
gothifche Styl 
P a ris, zuerfi 
in der 
Seiten 
im nördlichen Frankreich, ja genauer gefagt 
entftanden ifl und von dort {ich nach allen 
weiter verbreitet hat, wurde bereits bemerkt. 
Man unterfcheidet nun in Frankreich wie     I 
in den übrigen Ländern drei Hauptepochen  
des gothifchen Styles, die man als pri- 52'   2x4 
      f") .2 i; 
mare, fekundare und tertiare bezeich im,  I, 
net hat. Die erfte würde das dreizehnte,  j w   I 
die zweite das vierzehnte, die dritte das j i W iäisä ölwiä " ' 
g- Hi,  - Au J,   
fünfzehnte' und den Anfang des fechzehn-  l äV M,  er, 
   i ä 
ten Jahrhunderts ungefahr umfaffen. Be- mmnuillf"  
zeichnender find jedoch für die drei Perio- g,  liwlglijwiivlllllliiilmilliwdv 
    trabt-dar lll 
den dm Ausdrucke: Heiliger,  und  rwrlnlltlNWWßrlliilllllalil e 
au sartender (oder Flamboyanb) Styl.     
Für die Charakteriftik der gothifchen   
Architektur in Frankreich iPt fcftzuhalten i  w]! 
daß hier der Styl nicht wie 111 anderen lhllu im! e  
  vngwlwlwilllggm   
Ländern fofort in fertiger Form auftritt,  iiliuiiw  
fondern daß Frankreich es war, welches {Ivljijilifu 
den neuen Styl zu geftalten und allrnäh-  lllinllillllll- illlllil i  
lich auszuprägen hatte. Daher ift unter "Im" "   
allen gothifchen Werken der Welt die Be- Fig. 372. Aus S. Nazaire zu CarcaWonne. 
trachtung der nordfranzöfifchen Denkmale 
von höchftem Interelfe, weil man hier fchrittweife verfolgenvkann, wie die neue 
Bauweife zuerft noch eine Menge Formgedanken des romanifchen Styles beibehält 
und allmählich {ich von denfelben befreit. Die conftruktiven Grundzüge des Syftems 
wurden zuerft von den nordfranzöüfchen Baumeiftern fo ausfchließlich feftgehalten, 
daß die Detailbildung oft noch ganz romanifch iPc, während die Conftruktion bereits 
das neue Gefetz kund gibt. Ja in den erften gothifchen Bauten ift felbfl der halb- 
kreisförmige Chorfchluß mit feinem Umgang und radianten Halbkreisnifchen, 
ganz wie ihn die rornanifche Epoche in Frankreich ausgebildetvhatte, völlig bei- 
behalten. So zeigt es {ich in dem frühelten, entfchieden gothifch ausgeführten 
Bauwerke Frankreichs, dem vom Abt Suger gleich nach 1x40 erbauten Chor
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.