Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790973
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Gothifcher Bauftyl. 
vom Gebäude abgeleitet wird. Eine Baluflrade mit VierpäITen durchbrochen, an 
den Ecken mit Krabben befetzt und mit phantaftifchen Thieren bekrönt, giebt 
dem oberen Abfchluß erhöhte Feftigkeit und reichere Wirkung. Wie reich 
diefe Baluflraden, in Verbindung mit den Fialen der Strebepfeiler und den Be- 
dachungen der Fenfler, folche Bauten abfchlicßen, davon geben wir unter 
Fig. 362 von der Ste. Chapelle zu Paris ein Beifpiel. Hinter den Baluflraden 
bietet {ich ein Umgang, welcher rings um die Gebäude umherführt. Aehnliche 
Umgänge lind, wie Fig. 354 zeigt, 
i, x auch am Aeußeren des Mittelfchiffs 
 l q, mit Durchbrechung der Strebepfeiler 
Qq;  „ i n herumgeführt. 
 m,  Große Bedeutung gewinnen nun 
 w, die Giebel des Kreuzfchiffes, deren 
  Strebepfeiler {ich bisweilen zu kleinen 
   Thürmen ausbilden und die in der 
l f  3„ Regel ein Portal erhielten, und da- 
     durch bedeutfam hervortraten. Da- 
l   gegen fiel eine centrale Thurmanlage 
 -.i    nunmehr meiflens fort, und nur in 
  gewiflen Gegenden, namentlich in 
ä.     i":    England, hielt man an einem Thurme 
ä       auf der Durchfchneidting von Lang- 
  haus und Querfchiff feil. In der 
ä f    Regel gab man diefem Punkte nur. 
  einen untergeordneten kleinen Dach- 
   f" y reiter. Dagegen wies man fortan 
    den Thurmbau faft ausfchließlich der 
  i i Facade zu. Die fchönfte Form ergab 
Fig- 361- V0" Im" Dame z" Pmls- {ich hier, wenn man nach dem Vor- 
gange der bedeutenderen romanifchen 
Kirchen zwei Thürme, den Seitenfchiffen entfprechend, aufführte. Auch hier 
blieb man dem Grundgefetz des gothifchen Styles treu, indem man die Thürme aus 
Strebepfeilern und fchwächeren Füllmauern aufwachfen ließ. Dadurch ergaben (ich 
von felbft drei Stellen für Eingänge, die man an den großartigflen Kathedralen 
auch wirklich durch drei Portale ausfüllte. Manchmal freilich iil nur ein 
mittleres angeordnet. Man ging nun von der romanifchen Portalbildung 
aus, indem man die Wandung nach innen in schräger Richtung fich verengen 
ließ. Allein diefe Abfchrägung wurde hier aus feinen vorfpringenden Stäben, 
welche bald die birnenförmige Schwingung der Gewölbrippeil annahmen, zwifclmen 
tiefen Hohlkehlen gebildet. In die Hohlkehlen ftellte man auf kurzen Säulchen 
Statuen von Heiligen, überdeckt von reichen Baldachinen. Wegen ihrer großen 
Breite theilte man die Hauptportale durch einen mittleren Pfoften, vor welchem
        

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