Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790937
hinweggefchletidert wurde. Um nicht dem Strebebogen eine unnöthige Schwere 
zu geben, durchbrach man bald feine Malfe mit freiem Fenflermaßwerk oder 
Rofetten. Verwickelter mußte diefes Strebefyftem werden, wo zwei Seitenfehiffe 
das MittelfchilT einfaßten (vgl. Fig. 349). Hier fÜlIFIC man, um den Strebßbögen 
 hwl] H- 3;,  r;  den erforderlichen Halt zu geben, auf dem die 
  i" ALP I beiden Seitenfchiffe trennenden Pfeiler ebenfalls 
  .1 r m"   einen freien Strebepfeiler auf, und fchlug von 
 _lllllilllll" i llllllllllll-  ll  ihm nach der MittelfchiHivand und nach dem 
       äußeren Strebepfeiler je einen Bogen. Um aber 
 f  1'   dem mittleren Pfeiler noch kräftigeren Halt und 
{W NL 71ml lt    durch größere Beladung vermehrte Fefligkeit 
  l,    ll zu geben, führte man oft zwei Strebebögen 
   w!  Will  über einander auf, fo daß auf jeden äußeren 
U, tb l lfl  ll Strebepfciler vier Strebebögen wirkten. 
ll lllfl"      Bei der Ausbildung der Strebepfeiler 
f    EiAl-llll  kommen zunächfl die Gelimfe in Betracht, 
 lllllß    ll  welche in gewilfen Abfiänden den Strebepfeiler 
 53:"    umziehen oder nur an feiner Vorderfeite lich 
ll     Ü,  i  zeigen. Sie beflehen gleich allen Gelimfen des 
X"    gothifchen Styls nur aus einer Abfchrägung, 
l ßfßb.   lllllulfillilljiili-Jllllluml    welche Vorn rechtwinklig abgefchnitten, inner- 
l;   will    halb mit einer tiefen Kehle ausgehöhlt wird, und 
ä"   llllli "lffllllulll I!    dann mit einem feinen Rundilabe lieh der Mauer 
1  illuliäf. lWj-lll   anfchließt XFig. 350). Ihre Kehle wird bisweilen 
i,  "l l]    mit Laubfchmtiök ausgefüllt, in deflen Behand- 
      mmuuilfl" 'i lung oft das feinlle Naturgefühl lieh mit den 
   H      Gefetzeil architektonifcher Stylifirung bewun- 
 i?"   dernswürdig in Einklang fätzt (vgl. Fig. islflilild 
i. l  v, ".1   -1 352 nach Viollet-le-Duc. Den Stre ep ei er 
 ll im,   i;   felbfl bildete man nun reicher aus. Da der über 
 l l 1 I?  n;    dem Dache emPoi-ragende Theil lediglich als Be- 
1; M, W_  j F, ,  lallung der unteren Malfe erforderlich uai, 10 
l  llvll  l ll "l"  l ll fchnitt man den vorderen Theil des Strebepfeilers 
wg 35x Guthlfchci Almmluulh ab und fetzte auf feinen Kern (bei B in Fig. 353) 
einen fäulengetragenen Baldachin mit hohem Spitzhelm, hinter wßlChenl eine Statue 
Platz fand. Bald aber ließ man eine übereck geftellte Pyramide, von den alten 
XVerkmeiflzern Fiale genannt, aus dem Pfeiler hervorwachfen, die man oft mit 
kleineren Nebenlialen timgab oder zu der man in mehreren Abftuftingen felb- 
üändige Pialen hinzufügte (vgl. Fig. 348 u. 349, auch Fig. 354). Die Fiale 
bildete man aus zwei Theilen: aus dem fchlanken Spitzdache, dem Riefen 
(von dem alten Worte reifen, {ich erheben, auffieigen, engl. to rise), und dem 
unteren Theile, dem Leibe. Letzteren pflegte man durch blind aufgemeißeltes
        

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