Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790819
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Gothifcher 
Bauflyl. 
aus den Elementen der attifchen Balis, d. h. einer l-Iohlkehle zwifchen zwei 
XVulflen. Das Kapital (Fig. 323 und 324) beliebt aus einer glockenförmigen 
Erweiterung der Dienfte, die auch um den Pfeilerkern {ich fortzieht (Fig. 321). 
Um diefe winden {ich in der Regel zwei Kränze von Blättern, welche heimifchen 
Pflanzen nachgebildet {ind. Am häufigllen findet man die Blätter der Eiche, 
des Epheus, der Rofe, der Dillel, der Rebe, immer in treuer Nachahmung der 
Natur, wenngleich in einer gewiflen regelmäßigen Stylilirung. An der Behand- 
lung diefes Blattwerkes lallien fich die verfchiedenen Epochen des gothifchen 
Styles erkennen. Die Bauten des I3. Jahrhunderts (Fig. 325) zeigen eine kraft- 
volle, breite Auffallling, die das NVefentliche der Naturformen in großartig-ein- 
WH 1 W  a!  IHM! W, H g u! v facher, ftrenger Weife architektonifch umbildet. 
i    1  All illlil f! lllll llll  f]!  ieiiiaaehiiiheliqrdeilnisoährllildäeäiiihle ggjifefti; 
     lljl wir  Ausführung die Uebcrhand; im 15. Jahrhun- 
   [l     i);  dert endlich (Fig. 326) geht man auf ein effekt- 
    i'll f) volles Uebertreiben der Naturformen aus, in- 
 l "ltlillllliiwäuif dem man {lärkeren Wechfel von Licht und 
il Schatten durch kraufere Behandlung, durch 
 Aushöhlen, Herausbiegen und Unterarbeiten 
   der einzelnen Blattpartic-n hervorbringt. Mit 
    dem Schafte ifl das Kilpllill durch ein fchmales, 
2.11," u   lcharf gekantetes Glied xerbunden, das aber in 
21h {Eli    frühen Bauten (Fig. 3:17) ein kräftiges Band- 
     protil, in fpäten (Fig. 326) eine fchwächlich- 
     Xi rundliche Form annimmt; die löeckplatte da- 
  {l    gegen befleht aus mehreren in der Regel fcharf" 
will    und tief eingefchnittenen Gliedern, die nach 
GB llll oben oft mit einer abgefchrägten Platte fchlie- 
Fig-3ß7- Kathedrale v0" Rßilnt- Ben. Auch hierbei zeichnen {ich die frühen 
Pfeilerkapiläl. Bauten (Fig. 325) durch fchlichte Strenge, die 
entwickelteren (Fig. 323 und 324) durch reicheren Wechfel, die fpäteren (Fig. 
326) durch fchlafiere, oft ganz flaue Behandlung aus. 
Hier ill noch der Konfolen zu gedenken, welche auch im gothifchen Styl 
da angewendet werden, wo man, um Raum zu gewinnen und Material zu fparen, 
die Gewölbflützen in beträchtlicher Höhe {ich an der Wand verkröpfen läßt. 
Diefe Konfolen erhalten in der Regel eine den Kapitälen verwandte Bekleidung 
mit Laubwerk, das namentlich in frühgothifcher Zeit, wie bei Fig. 328, durch 
freie, breite Behandlung anzieht. (Ein Vergleich mit der unter Fig. 30x mitge- 
theilten fpätromanifchen Konfole wird die verfchiedene Atiffallung des Laubwerkes 
veranfchaulichen.) Bisweilen {ind auch Figuren als Träger der Konfolen ver- 
wendet, und nicht felten haben die Baumeifler an folcher Stelle mit {innigem 
Hurno: 
ihr 
eigenes 
Bildniß 
angebracht.
        

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