Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790702
kleine kapellenartige Ap{iden in radianter Richtung (Fig. 311). Die Ornamentik 
fchließt {ich zum Theil der antiken an, hat indeß auch mannigfache eigentlich 
romanifche Elemente. Befonders gebräuchlich aber ift an diefen Bauten die An- 
wendung eines bunten rnuflvifchen Steinfchmuckes zu Bogenfüllungen, in 
Zwickeln, an" Portalen und Fenßereinfaffungen (vgl. Fig 311). Am Aeußeren 
{inden {ich Pilafter und Halbfäulen, die Geümfe ruhen auf Confolen, der Bogen- 
fries fehlt. Auf der Kuppel der Kreuzung erhebt {ich bisweilen ein viereckiger 
Thurm. Eins der glänzendflen Beifpiele iii die Kathedrale zu Clermont, Notre 
Dame du Port, (vgl. die Fig. 30g und 311), fodann die Kirche S. Sernin zu 
Touloufe. 
Etwas weiter nordöfilich {chließt {ich das alte Burgund an, welches eben- 
falls in feinen Bauwerken der antiken Ueberlieferung vielfach Eingang geliattet, 
{ie aber in ungleich freierer, kühnerer Weife behandelt. Das Tonnengewölbe 
herrfcht auch hier vor, aber indem man Stichkappen in daffelbe einfchneiden 
läßt, oder gar die einzelnen Felder des Mittelfchiffes mit querliegenden Tonnen- 
gewölben bedeckt, erhält man Raum für Oberlichter. Die Emporen auf den 
Seitenfchiffen werden beibehalten und an dem weltlichen Ende zu einer zwei- 
{iöckigen Vorhalle entwickelt; auch der Chorumgang mit dem Kapellenkranze 
iit hier an allen größeren Kirchen vorhanden. Für die Belebung und Gliede- 
rung des Pfeilers bedient man {ich des antiken canellirten PilaRers. Scluver- 
fällig erfcheint diefer Styl noch an S. Philibert zu Tournus, in großartigüer 
Weife dagegen entwickelt an der, in der Revolution abgebrochenen Abteikirche 
Cluny, ferner am Dom zu Autun u. A. Befonders großartig entfalten {ich 
die Portale, oft wie in der Abteikirche zu Vezelay (Fig. 312) in zweitheiliger An- 
lage, reich mit Statuen und Reliefs gefchmückt, im Tympanon mciß mit einer 
Darfiellung des Weltgerichts, in der Mitte Chriftus in mandelförmigem Medaillon 
auf dem Regenbogen thronend. 
Eine von allen übrigen Bauten Frankreichs abweichende Baugruppe findet 
man in den füdweftlichen Theilen des Landes, wo eine Reihe von etwa vierzig 
Kirchen eine byzantinifche Anlage mit Kuppeln und zum Theil griechifcher 
Kreuzform zeigen. Das Hauptwerk i{t die Kirche S. Front zu Perigueux, 
wahrfcheinlich gegen Ende des 11. Jahrhunderts erbaut. Auffallender Weife ift 
diefer Bau eine felbfl in den Maßen durchaus getreue Copie der Marcuskirche 
von Venedig, nur mit Anwendung des Spitzbogens und in viel fchlichterer Aus- 
führung. Die anderen Kirchen zeigen eine größere Abfchwächung der fremd- 
artigen Form fowohl in Hinficht auf die Plananlage und die Kuppelgeitalt als 
auch auf die Bildung der wichtigiien Einzelglieder. Man gab den Kirchen einen 
ausgebildeten Chor, Umgang und Kapellenkranz und bildete das Langhaus, mit 
einem Syliem von Kuppeln überwölbt, ohne Abfeiten in einfchiffiger Anlage aus. 
Werke diefer Art {ind die Kathedralen von Angouleme, Saintes und Cahors, 
befonders aber die Abteikirche zu Fontevrault. 
Endlich fchließen fich hieran die Bauten der nördlichüen diefer Denkmal-
        

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