Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790659
Bogen, die Stalaktitengewölbe, fo wie manche Elemente der Decoration kamen 
aus der mohamedanifchen Kunft herüber; die Plananlage fchloß (ich der abend- 
ländifchen Bafilika an; die Kuppel auf der Kreuzung, die Mofaiken, manche 
Ornamente und Detailformen lind wieder durchaus dem byzantinifchen Styl ent- 
lehnt. Endlich aber kam als eigentlich nordifch-germanifches Element oft die 
Verbindung des Thurmbaues mit der Kirche hinzu, fo daß zwei durch eine 
Säulenhalle verbundene Thürme die Fagade fchließen. Die Blüthezeit diefes 
Styls gehört ebenfalls dem I2. Jahrhundert. Unter den {icilifchen Bauten lind 
befonders die Schloßkapelle (Cappella palatina) zu Palermo und der 1189 
vollendete Dom von Monreale zu nennen.  
In ähnlicher Weife, wenn auch in minder reicher Ausfiattung zeigt {ich diefer 
Styl an den Bauten Unteritaliens. So an den Domen zu Salerno, Amalfi, 
Ravello, Seffa, Bari, Trani, Caferta (vecchia) u. f. w. 
In Venedig tritt uns eine von den übrigen italienifchen Architekturgruppen 
durchaus verfchiedene Bauweife entgegen. Der Seeverkehr mit den Ländern des 
Orients, namentlich mit Byzanz, führte zur Nachahmung der dortigen Archi- 
tektur und zur Vorliebe für höchfie Prachtentfaltung. Der Hauptbau ifl die 
Kirche S. Marco, im Jahre 976 begonnen, 1071 vollendet, jedoch in ihrer 
verfchwenderifchen Fülle mufivifchen Schmuckes und anderer Decoration noch 
in den folgenden Jahrhunderten weiter bereichert. Der Kern des Baues bildet 
ein griechifches Kreuz, auf deifen Mitte und Endpunkten Iich fünf Kuppeln er- 
heben. Andere venetianifche Bauten jener Zeit folgen, wie der Dom auf Tor- 
cello, dem Bafilikenplane. 
In der Lombardei begegnet uns an den Werken der Architektur das 
Streben nach der gewölbten Pfcilerbafilika. Man findet feit der zweiten Hälfte 
des 11. Jahrhunderts Kirchen mit Pfeilern und durchgeführtern Kreuzgewölb- 
fyftem. Im Wefentlichen zeigt {ich an ihnen derfelbe Entwicklungsgang, den wir 
auch an den deutfchen Gewölbbauten fanden. Ein eigentlich felbftändiges Ele- 
ment tritt nur in der Bildung der Facaden auf. Da nämlich auch hier die 
italienifche Sitte der gefonderten Thurmanlage herrfcht, fo bildet man die Facade 
als einfachen Giebelbau aus; aber in der Regel nicht wie die toscanifchen Bauten, 
indem man die Gefialt des Langhaufes mit feinen hohen Mittelfchiffen und den 
niedrigen Abfeiten zur Richtfchntir nimmt, fondern indem man die vor den 
Seitenfchifen liegenden Facadentheile höher emporführt und die ganze Breite als 
eine MafTe mit fchwach anlieigendem Giebel fchließt (Fig. 308). Man gliedert 
feine Flächen nun durch vorgefetzte Pilafter oder Halbfäulen, die am Dache 
gewöhnlich mit Bogenfriefen in Verbindung treten. Häufig wird das Dachgeiims 
von einer olTenen Säulengalerie begleitet, die auch in halber Höhe bisweilen die 
Facade theilt und {ich an den Langfeiten des Baues fortfetzt. Die Dreitheilung 
liegt indeß der Facadenbehandlung in der Regel zu Grunde. Das mittlere Feld 
wird durch ein großes Radfenfter und ein reich gefchmücktes Portal ausgezeichnet. 
Bisweilen lind daneben noch zwei Seitengänge angeordnet. Die Portale find
        

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