Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790593
Bahn gebrochen, welche auf eine völlige Umgeflaltuiwg des Bafilikenbaues, auf 
Anlage von gleich hohen Schiffen bei gleichen Gewölbtheilungeil, ausging. Man 
nennt diefe neue Form am bezeichnendflen Hallenkirche. Das Mittelfchiff 
verlor dadurch feine ausfchließliche Höhe, mit ihr die felbfländige Beleuchtung: 
die Seitenfchiffe kamen dem mittleren an Höhe nahe, und erhielten in den 
höheren UmfafTungsmauern größere und zahlreichere Lichtöffnungen. Das Dach 
bedeckte in ungetheilter Maffe die drei Schiffe, und fand in kräftigen, oberhalb 
der Gewölbe auf den Arkadenträgern ruhenden Pfeilern eine vermehrte Stützung. 
Die Johanniskirche zu Billcrbeck ifl ein zierliches Gebäude diefcr Art. Zu be- 
Kirchen, 
deutfamerer Wirkung erhebt fich bisweilen diefe Anordnung in größeren 
wie im Dom zu Paderboran und dem Münüer" zu Herford. 
Im füdlichen Deutfchland, den fchwähifchen und bayrifchen Gebieten, 
wozu wir auch die deutfche Schweiz nehmen, begegnen wir den allgemein herr- 
fchcnden Merkmalen des deutfch-romanifchen Balilikenbaues, ohne daß eine vor- 
züglich charakteriflifche Sonderrichtung {ich geltend machte, oder gefchloffene 
Gefammtgruppen bedeutfamei" hervorträten. Doch iFt zu bemerken, daß die Säu- 
lenbafilika hier häufiger auftritt, womit es vielleicht zufammenhängt, daß ein {o 
confequent fortfchreitcnder Gewölbebau, wie er in Sachfen, den Rheinlanden und 
Weßfalen {ich bemerklich machte, hier nicht gefunden wird. Ueberwiegend 
herrfcht die flache Säulenßafilika am Oberrhein in den fchwäbifch-alemanifchen 
Gegenden. So am Dom zu Konftanz, am Allerheiligenmünlizer zu Schaff- 
haufen, den Kirchen zu Hirfau, Alpirsbach, Hagenau, Schwarzach und 
Faurndau. Der Pfcilerbau, minder verbreitet, hat doch auch in diefen Gegen- 
den feine einzelnen Beifpielc, wie der Dom zu Augsburg, dic Cillerzieilferkirche 
zu Maulbronn, das Münfter auf der Infel Reichenau und die Kloflerkirchc 
zum heiligen Grab zu Denkendorf im Würtembergifchen. Die Anwendung des 
Kreuzgewölbes finden wir u. A. fodann an der Stiftskirche zu Ellwangen in 
Würtemberg (Fig. 303), der Michaeliskirche zu Altenftadt in Bayern undden 
Kirchen zu Murbach, Rosheim, Gebweiler und S. Fides zu Schlettfladt 
im Elfaß. Unter den Bauten der Ucbergangszeit ift als eins der bedeutendfien 
Denkmäler das Münfler zu Bafel zu nennen, ferner die Liebfrauenkirche 
zu Neufchätel. Auch das QuerfchiH des Münflers zu Freiburg im Breisgati 
gehört hierher. 
In den ölterreichifchen Ländern flohen alle Gebietstheile unter dem Ein- 
Huß 
iich 
deutfcher Kunfiübung, und felbfl auf Slavcn, Ronmnen und Ungarn erüreckt 
die Herrfchaft des deutfch-romanifchen Styles. Wir {indem in der reichlich 
gepflegten, vorwiegend phantaftifchen Ornamentatioxi denfelben Grundzug, den wir 
in den Schulen des füdwclllichcn Deutfclulands und der Schweiz angetroffen 
hatten, aber wir werden zugleich gelegentlich durch auffallende Anklänge an 
fächiifche Bauten überrafcht; daneben mifcht {ich in den füdlichen Gegenden 
mancher Einfluß der lombardifchen Bauweife, befonders in der Anlage und Aus- 
bildung der Portale, ein. Bei der Planform zeigt {ich wieder darin etwas Ge-
        

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