Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790567
Romaui fche 
Kirchen 
Dentfchland. 
217 
Der Ritter hatte bei Errichtung feiner Burg mehr die Sicherheit als die künft- 
lerifche Ausfchmückung im Auge. Doch haben {ich aus jener Epoche einzelne 
bedeutende Burganlagen erhalten, welche auch in diefer Hinlicht von {lzattlichei- 
Wirkung lind. Wir nennen die Kaiferburg zu Goslar, den Barbarolfapalaft zu 
Gelnhatifen und die neuerdings rellaurirte Wartburg. Corridore, die mit 
offenen Säulenfiellttngen {ich vor den Zimmerreihen hinziehen, gewähren den 
Blick in's Freie und verleihen dem Gebäude bei kräftiger Gefammtform den Reiz 
malerifcher Wirkung. Stets {indet {ich in der mittelalterlichen Burg eine Kapelle, 
die oft in zwei Gefchollen über einander angeordnet {ich zur Doppelkapelle ent- 
wickelt. Auf den Burgen zu Nürnberg, Goslar, Eger, Freiburg an der Un- 
{lrut trilft man folehe Anlagen. In den Städten ling man an, die Rathhäufer 
und andere für öffentliche Zwecke errichtete Gebäude bedeutfamer anzulegen und 
reicher attsztiflattcn, und {elbii das bürgerliche Wohnhaus begann an den Vorzü- 
gen künlllerifcher Ausfchmftckung Theil zu nehmen. Einzelne romanifche Wohn- 
häufer haben {ich in Trier und Köln erhalten; mehrere finden {ich zu Cluny 
in Frankreich, und einen feltenen RCiClIIlIUIII frühmittelalterlichei" Privatgebätlde 
bewahrt 
Goslar. 
Die 
äussere 
Verbreitung. 
In 
Dcutfchland. 
In Deutfchland ltnüpfen {ich die erflien in felbfländigem Geifle ausgeführten 
künßlerifchen Unternehmungen an die glanzvolle Regierungszeit der fächfifchen 
Kaifer. NVir haben ihre Werke daher zunächft in den 
Sächiifchen Ländern aufzufuchen. Hier tritt zu Anfang des II. Jahrh. 
die tlachgedeckte Bafilika bereits mit ihren wefentlichen Merkmalen auf. Ihre 
Arkaden ruhen meiftens auf wechfelnden Pfeilern und Säulen, und zwar bald mit 
zwei bald mit einer Säule zivifchen den einfach gebildeten Pfeilern. Erfteres 
zeigen die Kirchen S. Godehard und S. Michael in Hildesheim, ferner die 
Schloßkirche zu Quedlinburg, letzteres die fehr alte Kirche zu Huyfeburg 
u. a. Nicht minder zahlreich ift die Pfeilerbafilika vertreten, einfach und flach- 
gecleckt in der Liebfrauenkirche zu Halberfladt, zum Theil gewölbt in der 
Kirche zu Königslutter, völlig mit rundbogigen Kreuzgewölben im Dom zu 
Braunfchweig und fchon im Uebergangsllyl in den Kirchen izu Loccum, 
Riddagshau fen und der Klofterkirche Neuwerk zu Goslar. Nur attsnahms- 
weife kommt dagegen die Säulenbafilika vor wie in der Moritzkirche vor 
Hildesheim und der Kirche zu Hamersleben. Die Kirchenanlage behält hier 
bis in die Spätzeit des Styles einen ernflen fchlichten Charakter. Dem ent- 
fpricht auch die Thurmanlage, die nur ausnahmsweife {ich überreich geftaltet, 
während in der Regel die Kirche mit den beiden Facatlenthürmen, zu denen 
manchmal noch ein Thurm auf der Kreuzung tritt, lich begnügt.
        

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