Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790482
Einer abweichenden, in gewiifen Gegenden auftretenden Anordnung haben 
wir ferner hier zu gedenken. Es iß die Anlage von oberen Gefchoifen, Gale- 
rien oder Emporen, über den Seitenfchiifen, die {ich ebenfalls mit Bogen- 
Prellungen gegen den Mittelraunu öffnen. Sie mögen wie die in der Mauerdicke 
liegenden Nifchen, die man bisweilen linder, durch byzantinifche Einflüffe ent- 
{landen und durch das Bedürfniß möglichfter Raumerweiterung eingeführt wor- 
den fein. 
Auf die Geiialtung des Aeußeren wirkt die Aufnahme des Gewölbes nicht 
wefentlich zurück. Nur an der Gruppirung der Fenfter gibt [ich der innere 
Organismus deutlich zu erkennen. Sodann aber erfchien es wünfchensurerth, die 
Lifenen, welche den inneren Gewölbilzützen entfprachen, kräftiger und in befonders 
forgfältiger Fugenbildung auszuführen, um an diefen vorzüglich gefährdeten 
Stellen das wirkfamile Widerlager zu erzeugen. Endlich ili noch einer Anord- 
nung zu erwähnen, die man in gewilTen Gegenden, namentlich in Italien und 
am Rhein findet. Dies iind offene, auf einfachen oder gekuppelten Zwergfäulen 
mit kleinen Rundbogen ruhende Galerien, welche dicht unter dem Dachgefims 
{ich an der Apfis und anderen ausgezeichneten Thcilen der Kirche hinziehen. 
Der 
fogenannte 
Uebergangsflyl. 
In den Grundzügen, welche wir in den letzten Abfchnitten zu zeichnen ver- 
fuchten, beharrte der romanifche Styl bis weit über die Mitte des I2. Jahrhun- 
derts. Um diefe Zeit machen {ich innerhalb des romanifchen Formgebiets Er- 
fcheinungen bemerklich, die in gewiifem Grade die Rcinheitlund Strenge des 
Styls verwifchen und an die Stelle feiner bei aller Mannigfaltigkeit im Einzelnen 
doch impofanten Ruhe ein tinrtihiges Schwanken und felbfti ein zwecklofes 
Spiel mit Gliederungen und Conftrtiktions-Elementen fetzen. Grundanlage, Auf- 
bau und Eintheilung der Räume bleiben zwar im Wefentlichen diefelben, allein 
esrnacht {ich das Beftreben nach größerer Leichtigkeit und Schlankheit, nach 
lebendigerer Theilung der Maffen geltend, und zu den auf den höchflen Grad 
des Reichthums und der Zierlichkeit entwickelten Formen des alten Styls gefellt 
{ich als fremdartig neues Element der Spitzbogen. Diefer bildet das hervor- 
{techendlte Merkmal der Uebergangsbauten. Wir fanden {eine Form fchon in 
der Frühzeit der ägyptifch-mohamedanifchen Architektur, doch ohne tiefere con- 
flrtiktivc Bedeutung. Auch jetzt nimmt er zunächft eine vorwiegend decorative 
Stellung ein und erfcheint bald an diefem, bald an jenem Theile der Bauwerke. 
Manchmal findet man ihn z. B. an den Arkaden, indeß Wölbungen und Fenfler 
noch rundbogig lind. Auch kommt es vor, daß die öfilichen Theile, bei denen 
man den Bau zu beginnen pflegte, noch den Rundbogen zeigen, während das 
in derfelben Bauepoche entliandene Langhaus den mittlerweile wahrfchcinlich in 
Aufnahme gekommenen Spitzbogen hat. Bei anderen Gelegenheiten ergab lich 
die neue Form durch eine befondere Nothwentligkeit. NVollte man nämlich 
bke. 
xftyle.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.