Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790281
geben wir in Fig. 251 eine weitere Probe, die das rein vegetative Element in 
feiner charakteriflifchen Stylifirung erkennen läßt. 
An den Denkmälern in Indien ifl eine eigene Großartigkeit der Anlage, 
Gediegenheit des Materials und überfchwängliche Pracht der Ausführunghervor- 
zuheben. Die gewaltige würfelförmige Maffe des Baues wird durch Reihen von 
Bogenhallen, Fenftern oder Nifchen gegliedert. Meiftens ift es die Form des 
gefchweiften Spitzbogens, des fogenannten Kielbogens, welche in diefen Bauten 
angewandt wird. Auf der Mitte des Baues erhebt {ich eine Kuppel, welche 
eine ausgebauchte, zwiebelförmige, nach oben gefchweifte Geüalt zeigt. Manch- 
mal treten noch mehrere folcher Kuppeln hinzu. Die am Aeußeren fchon reiche 
Ausftattung Rcigcrt lich im Inneren durch Anwendung koftbarer Steinarten und 
Mofaiken, leuchtender Farben und Vergoldungen zu höchfler Pracht. 
Unter den älteren Denkmälern ragt fowohl durch feine Größe als feine un- 
gewöhnliche thtlrmartige Geflalt der Kutab Minar zu Delhi hervor. Die 
höchfie Blüthe diefer Architektur währte von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 
17. Jahrhunderts. Schah Akbar der Große fchmückte die von ihm gegründete 
Refidenz Agra mit einer Reihe der prächtigfien Bauwerke. Unter diefen ragen 
fein Palaft fowie fein Maufole um zu Secundra bei Agra hervor. Nicht 
minder zeichnete {ich der Enkel des großen Akbar, Schah Dfchehan, der ein 
neues Delhi erbaute, durch bedeutende Denkmäler aus. Unter den vierzig M0- 
fcheen, die er hier aufführen ließ, verdient die Große Mofchee mit ihren 
fchlanken Kuppeln und der glanzvollen Ausflattung befondere Erwähnung. 
In Persien entwickelte {ich fchon unter der Herrfchaft der Abaffiden im 
8. Jahrhundert die Baukunlt zu großem Glanze. Doch ift, wie es fcheint, nur 
Geringfügiges davon erhalten. Die vorhandenen Denkmäler gehören größten- 
theils erft dem Ausgang des 16. Jahrhunderts, befonders der Regierung des Schah 
Abbas des Großen an. Unter diefem mächtigen Herrfcher wurde Ifpahan zur 
Reiidenz erhoben und mit einer Menge der glanzvollften Gebäude gefchmüekt. 
Freilich hat {ich diefer perlifche Styl nicht zur monumentalen Großartigkeit des 
indifchen erhoben. Zwar herrfcht auch hier neben runden Bögen die Form des 
Kielbogens, der, auf Pfeilern ruhend, den Gebäuden nach außen durch lange 
Arkaden und andere Oelhiungen ein belebtes Anfehen gibt. Allein die Maife 
des Gebäudes iil; nicht zu fo impofanter Form entwickelt, wie dßrt. AHÜEIII 
einer weiter durchgeführten Gliederung der Mauern fchmückt man lieber das 
Aeußere mit buntem Farbenfchimmer. Auch Minarets, minder kräftig und viel- 
mehr zum Schlanken, Zierlichen neigend, {ind mit Malereien und glalirten Zie- 
geln bedeckt. Aehnliehen Schmuck haben die Kuppeln, die eine mit den 
indifch-mohamedanifchen verwandte Schwingung zeigen. Unter den Bauten diefes 
Styles nennen wir als die gepriefenften den Palaft zu Teheran. Sodann lind 
die Bautenzu erwähnen, welche Schah Abbas der Große in feiner Hauptlladt 
Ifpahan aufführte. Ein ganzer Platz von außerordentlicher Ausdehnung, der 
Meidan Schahi, wurde mit prunkvollen Gebäuden ausgeftattet. Eben fo zier-
        

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