Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790202
mohamedanifchen Bauten, 
der 
Slyl 
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kräftig, und die Kuppel ruht auf vier Pfeilern, die dann mit den inneren Strebe- 
pfeilern der Mauern durch Bögen verbunden lind. Alle Räume außer der Kup- 
pel lind mit Tonnengewölben bedeckt. Das Innere pflegt mit Wandgemälden 
ausgellattet zu fein. 
Am Aeußeren tritt die iKreuzform mit der hochaufragenden Kuppel um fo 
energifcher hervor, da auch hier alle Theile mit einem ziemlich fpitz anfteigenden 
Steindache bedeckt lind und die Nebenräume {ich mit fchräg liegenden Pult- 
dächern an die Mauern des Mittelbaues anlehnen. Wefentlich abweichend vom 
byzantinifchen Styl ilt es fodann, daß der ganze Bau aus Quadern, wenn auch 
ohne genauen und regelmäßigen Fugenfchnitt, aufgeführt ill, und daß ihn rings- 
um eine Art von Sockel aus drei Stufen umgibt, die nur von den Portalen 
durchbrochen werden. Diele felbll lind niedrig, rundbogig gefchlolfen und mit 
flachen Archivolten umzogen, welche manchmal auf Halbfäulen ruhen. Die 
Fenller lind fchmal, fall fchießfchartenähnlich, zum Theil mit geradem Sturz, 
zum Theil rundbogig gefchlolTen, in den Giebelfeldem auch wohl kreisförmig. 
Die Detailbildung und die Profilirung der Glieder ilt eine merkwürdig ängftliche, 
fchwächliche. Die WVandfäulen lind nur rundliche Stäbe ohne kräftig rnarkirte 
Schwellung und haben Bafen und Confolen von ebenfo tinfchöner als unkräf- 
tiger Form. Die Zierbänder, welche Portale, Fenller und Archivolten in reicher 
Anordnung umfallen und die Krönungsgelirnfe fchmücken, lind nur Bach, ohne 
kräftige Schattenwirkung, mit einem fein ausgemeißelten aber matten Ornament 
von vielfache verfchlungenen Linien bedeckt, hin und wieder mit vegetativen 
Elementen durchwebt. 
DRITTES 
KAPITEL. 
Die 
moharnedanische 
Baukunst. 
KVie {ich faft überall der höhere Styl derArchitektur an den heiligen Gebäuden 
entfaltet, fo fallen wir auch bei den Mohamedanern die Bauart ihrer Cultusflätten, 
der Mofcheen, vornehmlich in's Auge. Die Grundbedingungen, aus denen die 
Mofchee (ich aufbaut, lind ein großer Hof für die vor der Andacht vorzuneh- 
menden Wafchungen, und eine Halle (Mihrab) für die Verrichtung der Gebete. 
In dem Gebäude muß fodann ein befonderer Ort ausgezeichnet werden, wo der 
Koran aufbewahrt wird; ferner ill eine Kanzel (Mimbar) nothwendig, von wel- 
cher herab die Priefter zu den Gläubigen reden. Als dritten wefentlichen Theil 
verlangt die Mofchee einen fchlanken Thurm (Minaret), von welchem der 
Muezzin die Stunden des Gebets verkündigt.
        

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