Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790191
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Georgifche und armenifche Baukunß. 
fo daß diefe mit der allemal luöheren Mittelkuppel ein griechifches oder ein 
Andreaskreuz bildeten. Diefe Bauten wurden in Ziegeln oder auch in fchicht- 
weife mit Ziegeln wechfelnden Haufieinen aufgeführt, wobei man den Wechfel 
verfchiedenfarbiger Schichten fowohl an den Bögen und Fenflereinfaiftlngcn wie 
an dem ganzen Mauerwerke liebte. Die Säulen zeigen nach wie vor plumpe 
Bafen und die Geüalt des trapezähnlichen Kapitäls. Bei der reicheren Ausfüh- 
rung des letzteren kommen manchmal noch antike Anklänge vor, aber in miß- 
verflandener Behandlung. 
In diefer Geflalt, ziemlich unberührt von den Einwirkungen abendländifcher 
Kunfl, überdauerte die byzantinifche Architektur felbfl den Fall des griechifchen 
Kaiferthums und steht noch jetzt in jenen öfllichen Gegenden in Uebung. Daß 
der byzantinifche Styl auch im Abendlande weitere Anwendung fand, beweift das 
Münfter zu Aachen, welches Karl der Große von 796-804 in einer an 
S. Vitale zu Ravenna erinnernden Form aufführen ließ. Noch entfchiedener die 
Fpäter 
Zll 
befprechende 
Marcuskirßhe 
zu 
Venedig. 
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Die 
georgische 
und 
armenische 
Baukunst. 
Die gebirgigen Länder des Kaukaftis, vom Ollrande des fchwarzen Meeres 
bis an das kaspifche Meer, {lehen in ihren Bauwerken in Abhängigkeit vom 
byzantinifchen Style. In Georgien fcheint man {ich näher an jene Bauweife 
angefchloffen zu haben, wie die Kirche zu Pitzunda beweill. 
Viel bedeutender und origineller ge{lalten {ich dagegen die Abweichungen 
vom byzantinifchen Style in Armenien. Die Kirchen bilden hier regelmäßig 
ein längliches Rechteck, aus welchem {ich in Kreuzform ein erhöhter Mittelbau 
emporhebt, aus deffen Mitte die Kuppel auffleigt. Doch unterfcheidet {ich diefe 
Kreuzgellalt bei der Kürze der Seitenflügel wefentlich von der griechifchen. An 
die Kuppel {chließen {ich verrnitteHl weiter Gurtbögen nach Oflen und Wellen 
vertiefte Nifchen, von denen die er{lere den Altarraum, die letztere den Haupt- 
eingang bildet. Abeir auch nach Süden und Norden legen {ich Nifchcn, wenn- 
gleich von {lacherer Geflalt, an den Mittelraum, welche Seiteneingänge enthalten. 
Die Mauern, obwohl an den vier Ecken.des Mittelbaues durch kleinere Kuppeln 
durchbrochen, lind fehr maffenhaft behandelt, und die vier in den Ecken des 
Gebäudes liegenden niedrigem Räume von dem Mittelbau fa{l gänzlich abgetrennt. 
Bei anderen Kirchen, wie an der Kathedrale von Ani {ind die Mauern minder
        

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