Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790174
der Kirche {ich fortfetzt, abgefchloden, und zu ihnen kommt gewöhnlich noch 
ein drittes, über den I-Iauptbögen liegendes, von welchem die Kuppel auflteigt. 
Die Gefimfc und fonftige Gliederungen werden nach römifcher Ueberlieferung 
geformt, und bisweilen mit einem Ornament bedeckt, welches eine fchon etwas 
flarre und harte Umbildung des antiken Akanthus verräth. (Fig. 238.) Das 
ganze Innere wird dagegen mit einem koftbaren Schmucke von Mofaiken auf 
Goldgrund oder von Fresken ausgeftattet, wie denn auch zu den Säulen pracht- 
volle Marmorarten verwendet werden und ein an den Orient erinnernder 
prunkender Luxus von gemalten und mufivifchen Füllungen, Lineamenten und 
Friefen, fowie in den unteren Theilen eine Verkleidung von verfchicdenfarbigem 
Marmor das Ganze überdeckt. Jene mufivifchen Ornamente beftehen zum Theil 
aus fchön Itylifirtem Rankenwerk, das in der Regel durch geometrifche Mufter 
eingefaßt wird. (Fig. 239.) In anderen Beifpielen wie Fig. 240 überwiegt das 
geometrifche Formenfpiel, das in der Pracht der Farbenwirkung an die Schönheit 
orientalifcher Teppiche erinnert. 
Das Aeußere flieg wie die Bafilika in zwei Abfätzen auf, indem über die 
niedrigen Seitenräume der hohe Mittelranm emporragte. Doch waren die Seiten- 
räume durch die doppelte Reihe von Fenflern und ein trennendes Gefims als 
zweiftöckig bezeichnet. Die Mauern wurden von großer Stärke meiftens in 
Ziegelfleinen aufgeführt; und zwar gewöhnlich mit wechfelnden Schichten von 
verfchiedener Farbe. Die Fenfter waren ähnlich denen- der Bafilika mit recht- 
eckig gemauerter Wandung und oben mit einem Halbkreisbogen zugewölbt. 
Doch wird bei größeren Fenllern eine Säule hineingeftellt, die das Fenfter in 
zwei yon kleineren Bögen oberhalb gefchloffene Theile zerlegt. Die Portale haben 
horizontalen Sturz und darüber einen denfelben entlaflenden Rundbogen. Am 
meiften charakteriftifch für diefen Styl ift jedoch, daß die Kuppeln, ohne von 
einem befonderen Dache überdeckt zu fein, in ihrer runden Linie nach außen 
hervortreten, fo daß auch an Stellen, wo fonit ein Giebel angewendet zu werden 
pflegte, diefe gefchweifte Form beibehalten wird. Ein dem römifchen Confolen- 
gefims nachgebildetes Kranzgefims trennt dann die ernilen auffteigenden Mauer- 
maffen von der Kuppel. 
Eine hervorragende Stelle in der früheren Entwickelung des byzantinifchen 
Styles nehmen dieBauten von Ravenna ein. In voller Selbftändigkeit tritt 
derfelbe zuerft an der Kirche S. Vitale auf, 526-547 unter griechifcher Herr- 
fchaft erbaut (vgl. Fig. 241). Das l-Iauptdenkmal des byzantinifchen Styles ift 
aber die Sophienkirche zu Conftantinopel, von 530-537 durch die Bau- 
meißer Anthemios von Tralles und Ifidoros von Milet unter Juitinians 
Regierung aufgeführt. Der mächtige Bau bildet in feiner Gefammtform (vgl. den 
Durchfchnitt Fig. 242) ungefähr ein Quadrat von 252 Fuß Länge bei 228 Fuß 
Breite. Seinen erhöhten Mittelraum bedeckt eine Kuppel von 110 Fuß Spannung 
und 170 Fuß Scheitelhöhe. Das ganze Monument war mit höchPter Pracht 
aufgeführt und Ilrahlte von Marmor und koftbaren Mofaiken auf Goldgrund.
        

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