Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-790093
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Quadern auf, jedoch in ziemlich nachläffiger Weife, die {ich in fpäteren Jahr- 
hunderten nur noch fteigerte. Die Säulen entnahm man häufig, befonders in 
Rom, den antiken Prachtgebäuden, welche in großer Anzahl noch vorhanden 
waren. Konnte man nicht genug gleichartige erhalten, fo fetzte man verfchiedene 
in einer Reihe neben einander und machte {ie dadurch gleich, daß man die zu 
langen verkürzte, die zu kurzen durch einen höheren Ilnterfatz verlängerte 
Daher wechfeln auch in römifchen Baliliken die verfchiedeneim Säulenordnungen 
der antiken Style manchmal in bunter Vermifchung; doch ift die korinthifche 
die häuligfte, ohne Zweifel weil man diefe an den römifchen Monumenten in 
der größten Anzahl vorfand.  
Auch im Uebrigen blieb man bei den gewonnenen Grundzügen des 
neuen Syftems ftehen, ohne die mächtigen Mauerliächen des Innern, die man 
bekommen hatte, ftreng architektonifclm gliedern zu können. Der Mangel diefer 
Fähigkeit, vereint mit der Prachtliebe der Zeit, führte ftatt dellen zu einer reichen 
Attsfchmückung des Innern mit Mofailten oder Fresken, die zunächfi die Nifche 
und den Triumphbogen, fodann aber auch alle größeren Flächen, befonders die 
hohen Oberwände des Mittelfchiffes, betieckten. Die kololialen Geltalten Chrilii, 
der Apoftel und Märtyrer fchatiten, auf leuchtenden Goldgrund gemalt, auf die 
Gemeinde herab, und gaben dem Innern eine höchft imponirende, harmonifchc 
Gefammtwirkung. 
Nach außen trat die Bafilika mit kahlen Mauermalfen vor, nur unterbrochen 
durch die Fenfter und Portale. Doch gab das mächtig aufragende Mittelfchilf, 
dem {ich dienend und abhängig die niederen Seitenfchiffe anlehnten, im Verein 
mit dem hohen Querhaufe und der aus delTen ruhiger lilauerlläche vortretentlen 
Nifche, einen bei aller Anlbrtichsloligltcit würdevollen Eindruck. Die ziemlich 
hohen und breiten Thüren, die meiftcns durch bronzene Thürliügel gefchlolfen 
wurden, waren mit einem geraden Sturze überdeckt, den man durch einen 
darüber gezogenen Halbkreisbogen entlafiete. Wo ein Vorhof fehlte, wurde 
diefem Portal eine kleine, delfen Stelle gleichfam vertretende Vorhalle ange- 
fetzt, die auf zwei Säulen ruhte und gewöhnlich mit_einen1 Kreuzgewölbe bedeckt 
wurde. 
Im Gegenfatz gegen die offenen, von Säuleniiellungen umgebenen, durch 
plaftifche Werke gefchrnücltten antiken Tempelfacaden bot die Bafilika eine ge- 
fchloffene Facade dar, die nur durch das Portal oder die Vorhalle durch- 
brochen wurde und mit koloffalen Mofaikdarftellungen gefchmückt zu werden 
pflegte. Das mit dem fchrägen Dache auflieigende Gelims, meillens in der fpät- 
römifchen Weife mit dünner Platte auf Confolen, oft auch ohne Confolen, 
bildete den Abfchluß. Die Mauern waren meiltens ohne Verputz in Backlleinen 
ausgeführt, die durch Schichtungen und Fenftereinfaifungen in verfchiedenfarbigen 
Ziegeln manchmal Abwechfelung erhielten. Erlt in fpäterer Zeit verband lich 
ein Thurmbau mit der Bafilika, und zwar in der Weife, daß ein einfach vier- 
eckiger oder runder Glockenthurm, in feinen oberen Theilen mit rundbogig
        

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