Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-788428
Breite, doch kommen auch viel größere Beifpiele vor. Andere, die weit lbhmaler 
und mehr länglich find, gleichen einer Lanzenfpitze und dehnen lieh oft bis zur 
doppelten Länge jener erflen aus. NVieder antlere haben die Form eines lanzett- 
artigen Blattes, F0 daß fchon in diefen einfachften Gegenlländen der lnduflrie 
eine gewitle Mannigfaltigkeit herrfcht. 
Diele verfehiedenen Formen entftanden aus der Natur des verwendeten Ge- 
fleins, denn die rundlichen und länglichen Feuerfteinltnollen, wie man {ie maßen- 
haft in der Kreide Findet, fpalten lieh, wenn man iie mit Ausdauer gegeneinander 
fchlägt, in verfchiedenartige meiß längliche, bald breitere bald fchmalere Splitter. 
Diele bearbeitete man dann durch fortgefetzte fchwache Schläge in der Weife, daß 
nuöglichll gleichmäßige Flächen entflanden, die an den Kanten forgfältig gefchärft 
wurden. Hatte man durch diefe mühevolle, die (ieduld herausfordernde Arbeit 
ein geeignetes Werkzeug hergeitellt, fo {leckte man dasfelbe mit dem fluinpfen 
Ende in den Spalt eines Aßes oder eines Hornes und beteiligte es mit Ball; oder 
Thierfehnen. So erhielt man Aexte und Beile, Lanzen und Metier, genug alle 
jene Werkzeuge, die man zum Fällen der Bäume, zum Aushöhlen der primitiven 
Kühne, zum Ausgraben von Wurzeln, aber auch zum Erlegen des Wildes, zum 
AhlÖiCn der Häute, zum Zertheilen des Fleifches u. dgl. brauchte. Taufende 
folchel 
Geräthc 
u n d 
Waffen 
h at 
ITI E111 
im 
Thal 
dm 
Sommc 
gefunden, 
abm 
auch 
fonll in Frankreich und Belgien kommen lie vor, wie man Iie jetzt noch 
in ähnlicher NVeife hei den wilden Völkerfchafteii, welche die Gcwinnting der 
Metalle nicht kennen, überall antrifft. Auch an andern Orten, namentlich in 
England kommen {ie vor; hier ift die Mandelform bei den Geräthen die über- 
wiegende. Vielfach Iindet man diefe ZcugniWe der älteften Kultur in den Höhlen 
von Frankreich, Belgien, England, Deutfchland und Italien, wo in den ältelten 
Zeiten die Menfchen Zuflucht und Wohnung tänden. 
Aus der Renthierzeit bewahrt hefonders das füdliche Frankreich, namentlich 
das Perigord, bedeutende Ucbcrrcilu nicht blos 
Geräthen aus dcn Knochen und dem Geweih der 
an 
Hi: 
Stcinwaffen, fondcrn auch an 
Tche und Renthierc. In unfrer 
Figur t lind Beifpiele diefer alten lnduflrieprodukte zufannnengeltellt. Da finden 
wir Steinäxte verfchiedener Form unter a und c, Metler oder Klingen unter b 
und d, Lanzenfpitzen unter e und f, eine kleine Säge unter m, Alles von Feuer- 
ltein; dann von Horn oder Bein llarpunen mit Widerhaken auf einer oder auf 
beiden Seiten unter k und l, eine Nadel aus Bein zum Nähen unter g, endlich 
fogar Schinueklhcheit, und zwar unter h der Zahn von einem Wolf, unter i der 
Ohrknochen eines Pferdes. Man kann lieh leicht vorllellen, welche Geduld dazu 
gehörte, mit der Spitze der Feuerfteiimklingen die Löcher in den letzteren Gegen- 
fländen auszubohren. Auch andere Schmuckfacheit findet man zahlreich in ge- 
willen runden Verfteinertingen aus der Kreidefchieht, die in der Mitte eine weichere 
Subltanz zeigen, welche theils durch Verwitterung, theils durch ltünfiliche Nach- 
hülfe fich zu einer Oeffnung gellaltete für das Durchziehen einer Qchnur. End- 
lieh trifft man uralte Thongeräthe von fchwvarzer, grauer und röthlich-gelber 
I!
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.