Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-789665
6 zu 5. Umgab den griechifchen in feiner vollendeten Form eine Säulenhalle 
anfallen Seiten, fo hatte der etruskifche Tempel nur an der Vorderfeite eine 
Säulenhalle (Anticum), die aber von bedeutender Tiefe war. Man theilte nämlich 
den ganzen Grundplan in zwei Hälften, von denen die vordere für die l-Ialle 
die hintere für die Cella (das Pofticum) heflimtnt wurde. Letztere befland 
jedoch gewöhnlich aus drei neben einander liegenden, durch Zwifchenmauern 
getrennten, von vorn je durch eine Thüröflhung zu betretenden Heiligthütimern, 
deren mittleres in feiner Breite (ich zu den feitliehen verhielt wie 4 zu  
Die Halle hatte an ihrer Front vier Säulen, deren Stellung den Grenzmaueril 
der Cellen, und zwar den Anten derfelhen, entfpraeh und alfo die drei Eingänge 
um fo klarer bezeichnete, da hier auch die Stufen zum Tempel hinauffilhrten. 
Hierdurch wurde nicht allein der weite Abfland der Säulen unter einander, 
fonderil auch die größere Zwifclienweite des mittleren Paares bedingt. Zugleich 
aber war die Entfernung diefer Säulenreihe von der Cellenmauer fo weit, daß 
zwilchen der Eckfäule und der Ante auf jeder Seite noch eine Säule angeordnet 
werden mußte. Nur bei den Tempeln, welche blos eine Cella erforderten, 
wurde der fonfl für die Nebencellen heflimmte Raum ebenfalls zur Halle ge- 
Tempels 
zogen und mit einer Säulenrcilue ausgefluttet. Die Rückfeite des 
dagegen {lets in ganzer Breite durch eine Mauer gefchloflexu. 
Daß die bedeutende Zwifehenxveite der Säulen keinen {leinerncn 
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AFChiIFQVÖLILI 
der Hand. 
und für d 
zulicß, liegt auf 
Holzhau Üehßn, 
Statt dcffcn blieb der 
icfcn gewinnt die Angabe 
ctruskifche Tempel beim 
wiederum etwas Bezeich- 
ncmlcs , 
daß 
die 
I Iolzbalkcn 
111m mt 
dem 
a u f 
ihnen 
ruhenden 
ziemlich 
{heilen 
Gicbeldache ungemein weit vorfpiuiiigeii und 1b ein Vordach von beträcht- 
licher Tiefe bildeten. Ein eigentlicher Fries fehlte diefem Tempel. Statt 
dellen dienten die Querbalken, die vermuthlich confolenartig geftaltet waren. 
In fpäterer Zeit wurde jedoch ein Fries angeordnet, der wohl wie der dorifche 
mit Triglyphei] gefchmüclat wurde, jedoch in willkürlich de-  
corirendcr Weifc, fo daß auf einen Säulenabfland etwa vier 
bis fechs 'l'riglyphei1 kamen. Dem (liehelfelde gab man einen  
entfprechend reicheren Schmuck durch Bildwerke von ge-  
branntem Thon. llllJ-lll 
Die Säulen hatten eine Form, welche zwar an die des 
dorifchen Styles erinnert, doch in der Wirkung von diefer 
fehr verfchicden ifl. Sie hatten, wie die bei Volci in einem 
Grabhügel gefundenen Refle zeigen (Pig. 183 u. 184) eine Bafis, 
deren Hauptglied aus einem Fchwerfälligen ausgebauchten 
Wulß befiand, auf welchem eine fchmalc Platte lag. Das 
Kapitäl dagegen umfaßte alle Elemente des dorifchen, aber 
x; xßvv 
 f. 
  
Fig. x83 u. x84. Von der 
Cucumella zu Volci. 
in abweichender Bildungsuzeife: die Platte war hoch, der Echinus breit aus- 
ladend, dabei doch fchwächlich, die Ringe endlich Rumpf profilirt und um den 
Schaft der Säule flatt um den Echinus gelegt. Endlich weicht die ganze Gellalt
        

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