Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-789631
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Griechifche 
Baukunfl. 
in die letzte Zeit {ich in ihren Denkmälern des Bogenbaues zu enthalten wußte, 
beweift eine zu dem letztgenannten Bauwerk gehörige Wafferleitung, deren 
einzelne Bogen je aus einem Marmorblock gefchnitten find. Alfo auch hier zog 
man die einfachfte monolithe Bauweife einem zufammengefetzten Conftructions- 
fyllern vor. Etwas Verwandtes beobachtet man an einem Grabmal der fpätellen 
Zeit zu Mylafa in Kleinafien. Dort ruht ein pyramidaler Oberbau auf einer 
Säulenftelltmg, die {ich über einer quadratifchen Brüftung erhebt. Die Decke ilt 
aus verfchiedenen über Eck gelegten Arehitraveil gebildet, fo daß zuerlt über 
das quadratifche Gebälk ein aehteckiges, dann ein viereekiges und fo fort in 
wechfelnder Anordnung gebreitet ifl, bis das obere durch eine Decke gefchloffen 
wird. Von der ornamentalen ßtusflatttmg diefer eigenthünlliclacn Deckenbiltlung, 
die allerdings von einer gewilTen Trockenheit {ich nicht frei hält, geben wir eine 
Anfchauung in Fig. 179. 
ZWEITES 
KAPITEL. 
Die 
etruskische 
Baukunst. 
Unter den alten Völkern Italiens nehmen die Etrusker eine höchll merk- 
würdige, in vieler Beziehung räthfelhafte Stellung ein. Ihre früheflen Bauwerke 
zeigen eine unverkennbare Aehnlichkeit mit den fogenannten kyklopifchcn Denk- 
mälern, die wir auf dem Boden Griechenlands verbreitet fanden. Selbll in ihren 
fpäteren XVerken fleht die Kunll der Etrusker dem Charakter jener alten Monu- 
mente nahe, fo daß es fcheint, als 0b lie ihn zu einer höheren Entwicklung 
durchgeführt haben, während umgekehrt der Geifl der eigentlich griechifchen 
Kunll jenem älteren gerade entgegengefetzt war. Auch im Charakter des etrus- 
kifchen Volkes finden wir einen entfchiedenen Gegenfatz gegen den derßriechen. 
Erhob {ich bei diefen Alles zur Höhe einer idealen Anfchauung, fo hafteten die 
Etrusker an einer einfeitig verlländigen, reflectirenden Sinnesweife. Diefe fpricht 
{ich klar in der Gellalt ihres llaatlichen Lebens aus, das einen arillokratifch- 
priefterliclmen Charakter trug. Auch die Religion der Etrusker hatte eine vor- 
wjegend moralifch-praktifche Richtung und war von der poetifch-mythologifchen 
der Griechen auffallend verfchieden. Was iie von göttlichen Wefen verehrten, 
war mehr eine dürftige Umhüllung natürlicher Zuflände und Vorgänge oder 
eine umgeflaltete Uebertragung griechifcher Sagen. Und fo finden wir auch in 
ihrer Architektur eine gewille wenngleich umgeflaltete Aufnahme grieehifcher 
Elemente.
        

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