Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-789569
Die 
Epochen 
der 
griechischen 
Architektur. 
Erste 
Epoche. 
Von 
d e r 
Solonifchen 
Zeit 
bis 
auf 
Kimon. 
"470 
Der Charakter der Bauwerke dicfer Epoche ili ein lirenger, feierlicher, alter- 
thümlich befangener. Der dorifche Styl fleht im Vordergrund und erfährt fowohl 
im Mutterlande als auch in den welilichen Colonien Unter-Italiens (Groß-Grie- 
chenlands) und Siciliens eine eben fo häulige Uebung als charaktervolle Behand- 
lung. Nur behält in jenen entlegneren Culturlitzen eine befonders fchwerfällige 
Auffallung des Styles noch in fpäterer Zeit die Oberhand, fo daß man für diefe 
Gegenden die Grenze der erlien Epoche um bo Jahre weiter herunter, etwa in 
den Anfang des vierten Jahrhunderts vor Chrillo, rücken muß. Der ionifche 
Styl dagegen wurde überwiegend in Kleinalien geübt, doch ill kein irgend erheb- 
licher Reit davon, wie es fcheint, auf uns gekommen. Von dem wahrfcheinlich 
um die Mitte des fechllen Jahrhunderts erbauten großen Tempel der Hera auf 
Samos lind nur einige Trümmer erhalten. (Vgl. die Säulenbalis Fig. 134.) Das 
kololfallte aller griechifchen Gebäude dagegen, der Artemistempel zu Ephefus, 
ein achtfäuliger hypäthraler Dipteros von 225 zu 425 Fuß, ift durch llerollrats 
wahnlinnige Ruhrnfucht vernichtet, unter Alexander dem Gr. wieder hergeltellt, 
fpäter jedoch auf's Neue durch ein Erdbeben zerliört worden. Die Trümmer 
neuerdings durch Mr. Wood ausgegraben. 
Auch die berühmtefien dorifchen Tempel jener Epoche lind größtentheils 
untergegangen. Dahin gehörte der Tempel des Apollo zu Delphi, der Zeus- 
ternpCl zu Athen, der ältere Parthenon auf der Akropolis, das fogenannte 
Hekatompedon ßhundertfüßige"), der fpäter durch die Perfer zerltört und nach 
liegreicher Vertreibung derfelben prächtiger wieder aufgebaut wurde. Bedeuten- 
dere Denkmäler aus diefer früheren Entwicklungsepoche lind im eigentlichen 
Griechenland wie es fcheint nur in geringer Zahl vorhanden. Als die alter- 
thümlichlien Relte erfcheinen die Ruinen eines Tempels zu Korinth (vgl. Fig. 109), 
fodann der bereits entwickelte Pallastempel zu Aegina, deffen Bau gleich 
nach dem Perferlu-iege llattfand (Fig. 69) giebt das Giebelfeld mit feinen merk- 
würdigen Bildwerken) und der kleine Tempel der Themis zu Rhamnus, in 
Attika gelegen, delfen Faeade Fig. Io5 vcranfchaulicht. 
Eine größere Anzahl alterthümlicher Denkmäler gehört Sicilien und Unter- 
Italien an. Auf Sicilien allein linden lieh von über zwanzig Tempeln mehr 
oder minder bedeutende Relte, darunter Werke von koloffalem Umfange. Fall 
allen licilianifchen Monumenten ifl die langgellreckte Anlage des Tempels, die 
Schmalheit der Cella und die Weite des äußeren Perillyls, der {ich dem pfeu- 
dodipterifchen Verhältniß zuneigt, gemeinfam. Das Material, ein grobkörniger 
Kalkliein, dem ein Stucküberzug gegeben wurde, fcheint eine fchwerere Detail-
        

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