Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-789441
Styl. 
Der ionifche 
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kapitäles in dem mit Bändern uniwickelten Polfier feine bezeichnende Charak- 
"teriilik. Mit diefem fchönen Kapitäl iPt nun als Fortfetzung deifelben eine 
friesartige Bekrönung der Wandfiäche in Verbindung gefetzt, welche ihre Motive 
aus fymbolifchen Attributen des Gottes entnimmt, (Fig. 157), indem in regel- 
mäßiger Wiederkehr zwei phantaßifche Greife eine Lyra zwifchen {ich einfchließen. 
Aehnliche Pfeilerkapitäle lind. auch an den Propyläen zu Priene aufgefunden 
worden; ihre Vorderflächen (Fig. 158) zeigen eine weibliche Figur zwifchen 
Blumenranken, die Seitenflächen (Fig. 159), zwei Greife, die eine mittlere 
plianzenartige Figur einfchließen. Andere, wie Fig. 160 und 161, lind bloß mit 
Rankenwerk gefchmückt. Die Gliederungen haben bereits etwas Trockenes. 
Was endlich die Deckenbildung betrifft, fo bietet fie gegen den urfprüng- 
liehen dorifchen Bau einen Fortfchritt, bedingt durch die Befeitigtlng der Tri- 
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ß); m.  - x.  
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Fig. 162_ V0 J? 
k r Pel zu Athen (Crundrif 
glyphen. Dadurch fiel für die Balken der Decke die befchränkende Rücklicht 
auf die Triglyphen und weiterhin auf die Säulenflellung fort. Man legte der 
Balken fo viele, als die BefchafTenl-ieit des Materials erforderte, in frei gewählten 
Zwifchenräumen auf die Blöcke des Friefes und gewann dadurch für die Ent- 
wicklung des Grundplanes einen viel freieren Spielraum (vgl. Fig. 162 und 163). 
Die Balken wurden alfo ohne Rücklicht auf die Säulenaxen in gleichen Abfländen 
verthcilt und die dadurch entftandenen Oelfnungen ganz wie beim dorifchen 
Bau mit Felderdecken gefchloifen. -Die Charakteriilik der letzteren blieb diefelbe 
wie dort, indem die Lacunarien (die vertieften Felder) mit Sternen gefchmückt wurden. 
Manchmal ging man in Erleichterung der Decke noch weiter, wenn man die 
Felder ganz durchbrach und ihre Oeffnungen mit dünnen, ausgehöhlten Platten 
fchloß. Zur helleren Veranfchatilichting der ionifchen Decke geben wir in 
Fig. 164 einen Längendtlrchfchnitt des Niketempels von der Akropolis zu Athen 
und fügen als Mußer einer feingegliederten Decke ein Stück der Decke aus der 
Karyatidenhalle des Erechtheions unter Fig. 165 bei. 
Merkwürdig ifi nun, daß diefer wichtige Fortfchritt frühzeitig auch im do- 
rifchen Styl aufgenommen wurde, fo daß man den Triglyphenfries zwar äußerlich
        

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