Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-789311
fehlten, behalf man {ich mit geringeren Steinarten, die dann mit polirtem Stuck 
bekleidet wurden. Zu jener Ausfiattung kam dann, um den Eindruck des Tem- 
pels zu erhöhen, noch eine theilweife Bemalung mit verfchiedenen Farben (Po- 
lychromie), über deren Ausdehnung die Anfichten getheilt lind. Die Triglv- 
phen fcheinen meiflens blau gewefen zu fein, die Metopen und das Giebelfeld 
zeigten dann als kräftigen Hintergrund für die marmornen Bildwerke ein ent- 
fchiedenes Roth. Doch kommt auch hier wohl Blau vor oder auch gar keine 
Färbung. Am Thefeustempel zu Athen, einem der edelllen YVerke der Blüthe- 
zeit, {ind fodann die Tropfen gleich dem Plättchen unter der Hängeplatte des 
Kranzgefimfes roth, die Mutuli und das Riemchen unter den Triglyphen (gleich 
diefen felbil) blau. Der innere Pries, der {ich an der Wand der Cella hinzog. 
hatte blauen Grund. Das Balkenwerk der Halle (die Laquearia) zeigte rothe 
Bemalung; die Vertiefungen der Decke (Lacunaria) hatten azurblauen Grund mit 
roth und goldnen Sternen. Alle Glieder von gefchwungenem Profil waren mit 
rundlichen oder lanzetförrnigen, dem Proül des Gliedes entfprechenden Blättern, 
die rechtwinkelig gebildeten Platten dagegen mit Mäanderbändern bemalt, von 
welchen Fig. 119 unter A, B, C, D einige Beifpielc bietet. Der Bord der Trauf- 
rinne (Sima) und der Hals der Ante erhielten aufgemalte Palmetten und ande- 
res Blattwerk, von welchen wir in Fig. 120-124 einige Proben mittheilen. Alle 
Farben waren in kräftigen, tiefgefättigten Tönen aufgetragen. Außerdem fcheint 
an Akroterien und anderen Theilen eine Vergoldung {lattgeftlnden zu haben. 
Der 
ionische 
Styl. 
Von Grund auf unterfcheidet {ich der ionifche Styl vom dorifchen. Von 
dem gemeinfamen Stylobat (vgl. Fig. 125) {leigen hier die Säulen, durch einen 
befondern Fuß (die Bafis oder Spira) vorbereitet, auf. Jede Säule erhält für 
{ich ihren befonderen lllintlmsikdie viereckige Platte, die den unteren Theil 
der Bafis ausmacht. Den Uebergang zum kreisrunden Stamme bilden mehrere 
Glieder von runder Grundfläche, die {ich auf den Plinthus legen (Fig. 126). ln 
Kleinaüen vollzieht {ich der Uebergang in der Art, daß zwei {charf eingezogene 
Hohlkehlen (Trochilus), durch YOYtfCtCÜLlC Plättchen, die als Allragale (Schnüre) 
charakterifirt find, mit einander und mit dem Plinthus verbunden, durch einen 
Wulft (Torusl von halbkreisförmigenu Prolil m ehaft der Säule verknüpft 
werden. Der NVulH erhält oft eine den Cilllellllffill des Schaftes ähnliche Glie- 
derung, die aber felbflverlländlich der horizontalen Lagerung diefes Gliedes ent- 
fpricht. So ill es am Tempel der Athene. zu Priene (vgl. Fig. 135), wo der untere 
Theil des Wulftes wenigllens dielie Profilirung zeigt; {o Hndet man es auch bei 
attifchen Monumenten, wie beim Tempel am IlifTus, beim Erechtheion u. a. Die 
fpätere, reichere Entwicklung pflegte die Kehle noch durch mehrere Aßragale, 
den Wulft durch plaflifche Ornamente nach Art geilochtener Bänder (Fig. 127 
A und B), bisweilen mit Blättern und Knospen zu fchmticken. In Attika, wo
        

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