Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-711634
hat auch einige Portraits bloss mit dem Grabstichel 
gestochen. Als Radirer ist er ein besserer Zeichner 
als sein Lehrer, erreicht aber nicht dessen malerische 
Wirkung. Der andere, van Vliet, um 1610 in Delft 
geboren, charakterisirt sich durch dunkle und ein- 
tönige Schatten im Gegensatze zu grellem Lichte 
und vermochte auch mit dem Grabstichel, den er 
häufig anwendete, nicht das Malerische seines Lehrers 
zu erreichen. Mehr Nachahmer waren M. Roder- 
mont und Adrian van Ostade. Dieser Letztere, 
1610 in Lübeck geboren, ging früh nach Harlem und 
gehört seinem Kunstcharakter nach ganz den Hollän- 
dern an, bei denen er auch blieb bis zu seinem Tode 
in Amsterdam 1685. Er hat nur Scenen des niederen 
Volkslebens dargestellt, dies aber mit einem ausser- 
ordentlichen Talente für coniiscirte Physiognomien. 
Seine Manier, neben breiten Lichtern die Schatten 
mit kurzen, sich kreuzenden Strichen zu bewirken, 
fand Nachklang in seinem lüderlichen Schüler Cor- 
nelius Bega aus Harlem (1620-1664); seine 
Bambochiaden i") aber wusste ein anderer Schüler, 
Cornelius Dusart aus Harlem (1665-1703) mit 
eigenthümlicher Laune nachzuahmen. In ähnlicher 
Weise fand auch Matthias Scheitz, 1646 in 
1') Der Name "Bambochiaden" bedeutet missgestaltene Figuren 
und kommt her von dem holländischen Maler Peter van Laar, 
geb. 1613 in Laaren in Holland, den, als er sich in Italien aufhielt, 
die Italiener wegen seiner körperlichen Missgestalt Bamboccio nannten. 
Wie gross und auffallend diese Missgestalt war, kann man aus einem 
Vorfall schliessen, den Sandrart erzählt, dass ihn einstmals die römi- 
sche Thorwache bei seinem Einritt in die Stadt für ein auf dem 
Pferde liegendes Felleisen mit aufgebundenem Hute und mit an- 
gebundenen Stiefeln hielt. 
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