Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-711554
haben sollte, welches Geschäft fortan dem Kupfer- 
stecher zutiel, so musste der Kupferstecher, der kein 
Colorist sein konnte, sich lediglich an das aristo- 
telische Farbensystem halten, nach welchem die 
Farben nichts als Grade zwischen absoluter Finster- 
niss und absolutem Lichte sind. Im Kupferstich hört 
das Colorit auf eine Harmonie von F arbentönen zu 
sein, und wird zu einer blossen Abstufung von 
Schwarz und Weiss. Ein bequemes Mittel dazu ist 
die Radirnadel und das Aetzwasser, womit 
es sehr leicht wird, Schattenmassen über eine Fläche 
zu verbreiten und das Licht einzuengen. Auch hier 
war es wieder Rembrandt, der sich durch die 
Art, wie er das Licht im Finstern zu concentriren 
wusste, eine nach ihm benannte Manier im Radiren 
schuf, die überall Freunde und Künstler fand, welche 
die Radirungen, wobei es auf eine bestimmte Form 
nicht ankam, in Aufnahme brachten. (v. Quand 
im Verzeichniss seiner Kupferstichsammlung.) 
In der Blüthezeit des Genre (Gattungsbild nennen 
es lieber neuere Aesthetiker), wie" sie im 17. Jahr- 
hundert in Holland erscheint , wurde auch der 
Kupferstich nach Ton und Inhalt ein anderer. 
Die kalte falsche Idealität, die in der Schule des 
Goltzius jenen Zwittergestalten angekünstelt war, die 
doch den Typus des Gemeinen nicht los werden und 
für sich nicht erwärmen konnten, verschwand. Maler 
und Kupferstecher überliessen sich unmittelbar der 
ungetheilten Lust und Freude an den derben Lebens- 
äusserungen des Volkes, das in trotzigem Souve- 
ränitäts-Gefühle über eine eben erst errungene 
Freiheit in rücksichtsloser Behaglichkeit oder im 
Uebermuthe der Laune seines neuen Daseins froh
        

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