Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-711548
Eine Folge von der Verweltlichung der Kunst 
in Holland war die Trennung von Form und Farbe, 
die in einem organischen Kunstwerke beisammen 
und unzertrennlich gedacht sind. je mehr nämlich 
die Kunst die religiöse Pietät und Inbrunst, und 
damit das ideale Bedürfniss verlor und sich in dem 
Gegenwärtigen und Wirklichen verhausete, desto 
mehr wurde auch der darzustellende Gegenstand, 
d. i. die Form gleichgültig; man nahm ihn, wo man 
ihn fand und gab ihm mit grosser Sorgfalt den Reiz 
der Farbe, wie namentlich von den Malern des 
höheren Genres geschehen ist; die Farbe wurde die 
Hauptsache; die Form wurde der Farbe unter- 
geordnet; man hiess jede Form, jede Gestalt, auch 
die niedrigste und gemeinste willkommen, dafern 
man sie nur zu einem wirksamen Farbenspiel ver- 
wenden konnte. Und da im 17. Jahrhundert bei 
einer sehr regsamen, jedoch nur materiellen Thätig- 
keit eine weit verbreitete Denkfaulheit eingetreten 
war, so waren geistlose Producte, bei denen es 
nichts zu denken aber viel zu lachen gab, immer die 
beliebtesten.  Der Vorgänger in dieser bloss colo- 
ristischen Richtung, der die Form gleichgültig und 
die Farbe alles ward, war der so hochgefeierte 
Rembrandt, und die Vertreter des sogenannten 
höheren Genres waren zum Theil seine Schüler.  
Wo nun aber auch immer die Farbe die Hauptsache 
ist, da bleibt doch auch immer die Form, man mag 
sie noch so gleichgültig oder willkührlich behandeln, 
und die Form kann auch ohne Farbe als blosse 
Zeichnung hergestellt Werden; da. aber bei dem 
Werthe, den man auf die Farbe legte, auch die 
Zeichnung wenigstens einen Schein von Farbe
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.