Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-711480
und Verstimmung zehrten an ihm, ohne ihn in seinen 
Arbeiten zu unterbrechen, bis ihn 1617 der Tod er- 
eilte.  Zu seiner Zeit war die feine Stechart be- 
liebt, die er auch wohl von Cornhaert erlernte, in 
welcher er auch Vieles gestochen hat, und Alb. 
Dürer wie Luk. V. Leyden nachzuahmen verstand. 
Aber nicht durch diese Stechart hat er seinen Ruhm 
erlangt, sondern dadurch, dass er durch frei und 
kühn geschwungene, in sich selbst nach Be- 
dürfniss an- und abschwellende, rein und 
scharf geschnittene Linien (die Linien der 
früheren Technik waren mehr leicht geschnitten, und 
in sich selbst durchaus gleichlaufend) und durch ein- 
fache Strichlagen, wie durch Wechsel im Vortrage 
die plastische Wirkung seiner Darstellungen hervor- 
zuheben verstand; dass er damit eine Technik ein- 
führte, die auf selbständige, künstlerische Geltung 
Anspruch hat, und dass er damit wieder die Be- 
dingungen herbeiführte, dass der Kupferstich sich 
auf völligere Durchbildung aller Formen einlassen 
konnte.  Dass Goltzius selbst eine vollendete 
Technik nicht erreichte, dass seine breite Behandlung 
namentlich grösserer Figuren, dass der Mangel aller 
Zwischenarbeit zwischen den weit abstehenden, kräf- 
tigen Linien seiner Schattirung es zu keiner harmo- 
nischen Wirkung kommen lässt, dass dem Charakter 
und Geiste seines Volkes gemäss der geistige Inhalt, 
namentlich seiner selbst erfundenen Darstellungen, 
höchst dürftig ist, dass er kein Gefühl für schöne 
Formen hat und dergl. mehr: das alles thut seinem 
Ruhme, den Kupferstich auf dem Wege zu seiner 
Vollendung ein gutes Stück weiter gebracht zu 
haben, keinen Abbruch.
        

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