Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-711414
Zerrbildner und romantischen Anagrammatiker der 
Natur; Hoffmann aber (in den Phantasiestücken) 
urtheilt über ihn: "Kein Meister hat so wie Callot 
gewusst, in einem kleinen Raume eine Fülle von 
Gegenständen zusammenzudrängen, die, ohne den 
Blick zu verwirren, neben einander, ja ineinander, 
heraustreten, so dass das Einzelne als Einzelnes für 
sich bestehend, doch dem Ganzen sich anreiht. Mag 
es sein, dass schwierige Kunstrichter ihm seine Un- 
wissenheit in der eigentlichen Gruppirung, so wie in 
der Vertheilung des Lichtes vorwerfen; indessen geht 
seine Kunst auch über die eigentlichen Regehi der 
Malerei hinaus, oder vielmehr seine Zeichnungen sind 
nur Reflexe alle der phantastischen, wunderlichen 
Erscheinungen, die der Zauber seiner überregen Phan- 
tasie hervorrief. Denn selbst in seinen, aus dem 
Leben genommenen Darstellungen, ist es eine lebens- 
volle Physionomie ganz eigner Art, die seinen Figuren, 
seinen Gruppen, ich möchte sagen, etwas F remdartig- 
bekanntes giebt. Selbst das Gemeinste aus dem All- 
tagsleben erscheint in dem Schimmer einer gewissen 
romantischen Originalität, so dass das dem Phan- 
tastischen hingegebene Gemüth auf eine wunderbare 
Weise davon angesprochen wird."  Wie richtig 
das auch ist, so hat es doch noch eine andere Seite. 
Callot hat etwas stark Egoistisches, etwas Kalt-Vor- 
nehmes, formell Anziehendes, aber gemüthlich Leeres. 
Hoffmann nennt es: etwas fremdartig bekanntes, wo- 
ran das Auge sich weidet, ohne einen warmen, ge- 
müthlichen Antheil daran zu nehmen. So hat z. B. 
dieser Anagrammatiker die Leiden des Krieges ge- 
zeichnet als Augenweide, aber ohne Mitleiden dafür 
erwecken zu können; er hat Lust aus Leid gemacht.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.