Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-711401
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gegen die Gewohnheit der Radirer, eines harten 
Aetzfirnisses, der dem leichten Spiele der Radirnadel 
mehr widerstand, als der weiche Firniss, aber durch- 
aus geeignet war, seinen selbst kleinsten Figuren 
einen prägnanten Ausdruck und leichte Bewegung 
zu geben. Sein Genie verstand es, auch zahllose 
kleine Figuren zu einer lebendigen Composition zu 
vereinigen und eine staunenswerthe Mannigfaltigkeit 
von Situationen, Scenen, Bewegungen, Physionomien 
etc. zu erlinden, da ist keine Wiederholung, keine 
Ermüdung; in jeder einzelnen Figur giebt es etwas 
neues zu sehen, und in der kleinsten Figur ist mit 
Wenigen kleinen Strichen Ausdruck und Charakter 
gelegt. Seine Stichmanier ist höchst einfach, aber 
wirksam und zweckentsprechend. Er zeichnet die 
Umrisse bestimmt aus, weiss aber den Conturen einen 
solchen Ausdruck zu geben, dass sie nicht bloss 
Physionomien darstellen, sondern auch als Schatten 
dienen, um die kleinsten Details hervorzuheben. 
Wo er Schrafiire anwendet, bedient er sich einer 
einfachen Strichlage, in welcher die mehr oder Weni- 
ger starken Striche den Formen des Körpers oder 
den Falten der Draperien folgen. Seine Phantasie 
quält sich nicht viel mit mythologischen Idealen; sie 
linder im Leben genug Figuren und Situationen, mit 
denen sie ihr launiges Spiel treibt; selbst seine zahl- 
reichen religiösen Darstellungen erheben sich nirgend 
über das Genreartige. Dass er französischer Edel- 
mann war, drückt sich öfter in dem V0rnehm-Aristo- 
kratischen aus, das er seinen Figuren in Haltung 
und Bewegung zu geben weiss, und das sich mehr 
empfinden als beschreiben lässt. 
Jean Paul nennt ihn treffend den poetischen
        

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