Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-711359
meinen erschien, und dass schliesslich der Durch- 
schnittswerth der Darstellungen in dem Pikanten 
gesucht wurde, für welches keine objective Regel, 
sondern nur die subjective Empfindung galt. Es 
trat ein Zustand in dem Kunstleben ein, dem man 
nur durch die Schule entgegenwirken zu können 
meinte, oder der im Naturalismus sich neue Bahnen 
eröffnete; wie es denn auch in der folgenden Periode 
geschah.  Besonders einflussreich war hier einer 
der grössten Künstler aller Zeiten, Michel An- 
gelo. Die Nachahmung, die er fand, verleitete zu 
innerlich leeren Schaustücken. Das subjective, 
leidenschaftlich bewegte Talent dieses Meisters hatte 
seine Darstellungen in Form und Ausdruck zu einer 
äussersten Grenze gesteigert, wo für die Nachahmer 
Maasshalten schwer und die Uebertreibung fast un- 
vermeidlich war. Die Wandmalerei gehörte zum 
Luxus der Prachtbauten und forderte decorativen 
Charakter. Die breiten Flächen, welche zu bemalen 
waren, empfahlen Gruppen in lebhafter Bewegung 
und Handlung. Die plastische Ruhe der antiken und 
selbst der Raphaelischen Kunst ging immer mehr 
verloren, und statt auf einen seelenvollen Ausdruck 
in Haltung und Physiognomie zu sehen , erstrebte 
man eine Virtuosität in der Darstellung der Be- 
wegungselemente, in kühnem Fortschreiten zur Hand- 
lung und in aifectirten Stellungen und Renkungen 
der Glieder. Ie Weniger das conventionelle Leben 
Motive für diese unruhigen Kunstgebilde darbot, 
desto lieber hielt man sich an mythologische Dar- 
Stellungen, und suchte darin den Idealismus der 
Kunst. So fehlte es nirgends an grossartig schei- 
nenden Compositionen, denen ein innerer Kunstwerth
        

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