Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-711262
tretenen und belebten Renaissance ausübten. Die 
Kupferstecher folgten diesem Geschmacke, gleichviel 
ob sie ihre eignen Erfindungen verwertheten, oder 
nach den Zeichnungen und Gemälden der überall be- 
wunderten Meister arbeiteten. Das reiche und lascive 
Florenz ward die Wiege der Renaissance und die 
reicheren und kunstliebenden Mediceer übernahmen 
ihre Patronage; und was in den Prachtbauten des 
Reichthums und des Luxus beliebt und bewundert 
wurde, ward durch den Kupferstich gleichsam ein 
Gemeingut des Volkes, und so der Geschmack von 
mythologischen Darstellungen mit ihren Nuditäten 
und Galanterien immer weiter verbreitet.  Die 
Aesthetik der Renaissance hat von Anfang an das 
Schöne von dem Wahren und Guten, dessen Form 
es sein sollte, getrennt. Dafern die Form schön, ge- 
fällig, reizend, anmuthig oder ansprechend war, sah 
man leicht ab von dem Gegenstande der Darstellung, 
und liess sich etwa eine nackte Galathe oder Danae 
ebensowohl gefallen als eine Madonna. Das Nackte, 
möchte man sagen, war das natürliche Decorum des 
hohen und niedern F abelgesindels der antiken Mytho- 
logie. Wenn man es in decenter Weise von den 
Kirchen ausschloss, liess man es sich doch in der 
Kunst gefallen, und Michel Angelo machte in seinem 
berühmten Gemälde: „Das jüngste Gericht" in der 
Sixtina. einen so üppigen Gebrauch davon, dass dies 
Gemälde um des Ortes willen, wo es war, öffentliches 
Aergerniss erregte, so dass Daniel Volaterra später 
die unanständigsten Partien mit einigem Gewand 
bedecken musste.  Der Kupferstecher musste von 
der Farbe abstrahiren, ihm blieb die Form, die Zeich- 
nung, und hierin unterschieden sich sehr auffallend
        

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