Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-711128
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Mahomet tödten lässt. Von Jugend auf betrieb er 
nun den Kupferstich mit einem krankhaften Eifer, 
der vielleicht auch mit einem leidenschaftlichen Ehr- 
geiz verknüpft war, in einer damals ohne Zweifel 
noch neuen Kunsttechnik Ruhm und Auszeichnung 
zu erwerben. Man wollte seinen Eifer mässigen 
und glaubte dies erreichen zu können durch Ver- 
heirathung mit einem reichen Fräulein aus edlem 
Hause. Aber vergeblich. Da sollte endlich eine 
längere Reise die beabsichtigte Wirkung thun. Er 
rüstete in aller Eile eine prächtige Gondel, nahm 
den Maler Mabuse als Begleiter mit, kleidete ihn 
und sich selbst in Gold und Seide, lebte herrlich 
und in Freuden, kehrte aber krank und verstimmt 
zurück. Er bildete sich ein, die Maler hätten ihn 
auf der Reise aus Eifersucht vergiftet und legte sich 
zu Bett, ohne es wieder zu verlassen. So im Bette 
liegend arbeitete er rastlos mit dem Pinsel und dem 
Grabstichel fast 6 Jahre lang bis zu seinem Tode 
1533. Kurz zuvor gab es noch eine aufregende Scene 
auf seinem Krankenbett. Seine verheirathete Tochter 
hatte ihren ersten Sohn auf den Namen des Gross- 
vaters "Lukas" taufen lassen. Der Grossvater aber 
ärgerte sich darüber in seiner hypochondrischen 
Grille: „man wolle nur einen neuen Lukas haben, 
um den alten Lukas los zu sein". Man wurde ihn 
bald genug los. Als er die Nähe seines Todes 
fühlte, liess er sich noch einmal in seinen Garten 
tragen, betrachtete still und ernst die Natur, liess 
sich dann wieder zurücktragen und starb am folgenden 
Tage. 
Lukas hatte keine Schüler, wer hätte es auch 
mit einem so verstimmten Lehrmeister wagen sollen.
        

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