Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-713536
Auch die Franzosen, die das Malerische bis zum 
Colorit ausbildeten, hatten kein völliges Verständniss 
für die Form der italienischen Kunst und bevor- 
zugten die Technik. So lag auch in Italien die Ge- 
fahr nahe, dass Sinn und Verständniss für die Form 
in dem Realismus der Technik verloren ging. 
Gegen diese Gefahr ging nun aber eine Gegen- 
wirkung aus von einem Meister, der, wie selten einer, 
ein vollendeter Meister der Technik war, seine 
Meisterschaft aber gerade in der Beschränkung auf 
die Form und in der meisterhaften Anwendung auf 
den Gegenstand der Darstellung überhaupt bewährte. 
Dieser Künstler war Joseph Longhi. Er war 
1766 in Monza geboren. Zum geistlichen Stande 
bestimmt, überwand seine Neigung zur Kunst. Er 
ging nach Mailand , um bei dem Kupferstecher 
Vangelisti die Kunst zu lernen und begab sich von 
da nach Rom, wo er innige Freundschaft mit Morghen 
schloss. Hier begriff er, wie beschränkt die Mittel 
des Kupferstechers sind, um die Gemälde der grossen 
Meister nachzubilden. Diese Erkenntniss aber bewog 
ihn nicht, diese Beschränktheit zu durchbrechen und 
durch Künsteleien zu erweitern, sondern sie in ihrer 
Einfachheit und Schlichtheit gelten zu lassen und in 
möglichster Vollkommenheit anzuwenden, was aber 
nur geschehen könne durch höchste Vollendung der 
Teclmik selbst. Diese gelang ihm in ausgezeichneter 
Weise. Linien und Striche sind ihm nicht da, um 
damit zu wirken, was sie nicht wirken können, und 
dem malerischen Reize der Farbe nachzubuhlen, 
sondern den Eindruck eines Gemäldes nach Form 
und Gestalt Wieder zu geben und die bescheidenen 
Mittel der Technik nur soweit anzuwenden, dass 
151
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.