Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-713522
den Realismus der Technik. Ein Beispiel, wie 
Morghen selbst diesen Realismus bis zu der äussersten 
Grenze trieb, wo die Harmonie zwischen der Form 
und der malerischen Darstellung leicht gefährdet 
war, ist seine ,.büssende Magdalena" nach Murillo. 
Die Gefahr aber, die Technik auf Kosten der Form 
zu bevorzugen, lag für die Schule um so näher, als 
die Technik eines Meisters, der mehr mechanische 
Theil seiner Kunst, sich leichter erlernen lässt, als 
sein Geist, der es versteht in den Geist und Aus- 
druck, überhaupt in die Bedeutung der Form einzu- 
gehen, für deren Darstellung die Technik nur ein 
Mittel ist, und zwar ein solches Mittel, dessen Uebung 
und Anwendung eine nicht geringe Meisterschaft er- 
fordert, zumal in den Fällen, wo die Form eines 
Vorbildes die höchste Aufmerksamkeit. in Anspruch 
nimmt und darüber versäumt, in den Geist, in den 
inneren Gehalt seines Vorbildes einzugehen. Und so 
scheint es, dass der Techniker sich nicht zu sehr 
von der Farben-Gluth und Pracht eines Gemäldes 
imponiren lassen darf, um den Versuch zu wagen, 
mit seiner Technik malerisch zu wirken, wie das 
Gemälde. Die Wirkung der Farbe liegt nicht in 
seinem Gebiete. Gerade der Umstand, dass früher 
in Flandern ein so bedeutender Colorist wie Rubens 
von den Kupferstechern seiner Freundschaft forderte, 
dass sie mit dem Grrabstichel malen sollten, hatte 
zur Folge, dass die Handrischen Kupferstecher das 
malerische Element ihrer Technik in einer Weise 
ausbildeten, wie sie wohl für die Gemälde eines 
Rubens, aber nicht mehr für die Formenschönheit 
der italienischen Kunst passte, ja dass diese Kupfer- 
stecher kaum ein Auge für diese Schönheit hatten.
        

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