Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-713410
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war, dass dadurch die in weltlichen Darstellungen 
verarmte und ermattete Kunst auf die Schönheit und 
Bedeutung der religiösen Darstellungen geleitet ward, 
so lag doch wiederum die Einseitigkeit nahe, jetzt 
den Italienern, wie früher den Franzosen, nach- 
zugehen, wenn man sich nicht zugleich wieder auf 
die vergessenen und verlassenen Schätze der alt- 
deutschen Kunst besonnen hätte. Freilich der herr- 
schenden Kunstrichtung etwas ärgerlich und wunder- 
sam, dass selbst ein Göthe beim Anblick der 
Nibelungenblätter von Cornelius ausrief: "ein 
wahres Wunder! die Kunst ist gleichsam in 
den Mutterleib zurückgekehrt und wiedergeboren". 
Deutschland aber sah, was es seit Jahrhunderten 
nicht gesehn hatte, das Wiedererwachen seiner 
eigenen Kunst. Auch der Kupferstich ging dieser 
Richtung nach und verbreitete seine Werke mit 
mannigfach modiiicirter Technik. 
Nun aber wurde der Kupferstich auch ein 
Gegenstand des Luxus und der Mode. Er sollte 
nicht bloss die Mappen der Liebhaber füllen, er 
sollte auch ein Schmuck der Zimmer werden. Dazu 
waren die gediegenen Werke der Kunst bald zu 
theuer, bald zu anspruchslos; auch sollte der viel 
verbreiteten Lithographie Concurrenz gemacht werden, 
und so griif die Industrie zu einer Technik, die aller- 
dings geeignet ist, durch malerische Effecte das 
Auge zu bestechen, nämlich zur 
S ch ab kun s t , 
deren Wirkung durch Verbindung mit Grabstichel- 
und Nadelarbeit gesteigert wurde. Maler, deren 
moderne Darstellungen bei dem herrschenden Mode- 
geschmack beifällig aufgenommen wurden, fanden
        

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