Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-711023
Formen klassischer Schönheit hätte dressiren sollen. 
Diese kräftige Natur, die sich frei und naiv in 
der eignen Zauberwelt bewegte, ist Dürers Grösse, 
und als ihre sprühenden Lichter zu verlöschen an- 
fingen, wandte er sich gern zum Portrait. Auf der 
Grenze zwischen der Fülle und der Abnahme dieser 
kühnen phantastischen Kraft scheint die „Melen- 
colia" (Copie von Wierx) zu stehen, eine geflügelte 
jungfrau, welche nicht sowohl eine melancholische 
Stimmung, sondern das tiefere Nachsinnen über 
allerlei Künste und Wissenschaften, die ringsumher 
angedeutet sind, vorstellen soll. Das Blatt ist vom 
Jahre 1514, dem Sterbejahre seiner Mutter datirt.  
Ein Zeugniss für seine Demuth vor Gott ist das 
Blatt des verlorenen Sohnes, die Schweine hütend, 
wo das Bild des verlorenen Sohnes sein eigenes 
Portrait ist. 
Dürer ist wie ein hoher Berg, um welchen eine 
Reihe niedriger Berge sich abgelagert hat, die von 
ihm Regen und Sonnenschein erhalten, bis sie aus- 
laufen in das flache, blache Feld. Ohne von dem 
Geiste des grossen Meisters ergriffen zu sein, waren 
doch Viele von ihm angeregt, die theils seine Schüler, 
theils seine Nachahmer waren. Im Einzelnen erreichte 
ihn Mancher, im Ganzen Keiner; Andere verliessen 
seine Kunstrichtung und wandten sich nach Italien, 
woher sie ein der deutschen Kunst jener Zeit fremdes 
Element einführten wie Georg Pencz. Seine 
Schüler begreift man unter dem Namen der klein en 
Meister, denen man jedoch auch noch mehrere 
andere hinzufügt. Was diese ganze Gruppe von den 
Kupferstechern der folgenden Periode noch wesent- 
lich unterscheidet, ist die eigene Erfindungskraft,
        

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