Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-713256
Ansprüche der Idee und des Idealen aufopferte, und 
desshalb, wie namentlich die holländische Malerschule, 
ihre Gegenstände aus der niedrigsten Wirklichkeit 
nahm. Den realistisch gesinnten, damals in pro- 
saischer Nüchternheit versunkenen Deutschen waren 
solche Darstellungen des Niedrigen und Wirklichen 
nichts weniger als zuwider. Im Gegentheil liessen 
sie sich wohl mit Behagen daran erinnern, dass es 
noch eine Kunst gebe, die als Schöpferin solcher 
Werke höher sei, als das Niedrige und Wirkliche 
ihrer Darstellungen, und wo das Kunstgefühl erst 
wieder in Fluss kommt, da strömt es weiter und 
strebt höher; es will auch das Transcendente em- 
piinden, das als das Immanente in der Darstellung 
wirkt, waltet, belebt, und das Wirkliche verklärt und 
erhöhet, mag man dies Transcendente das Schöne 
oder das Ideale nennen, es ist jedenfalls das Höhere 
in der Kunst, denn es ist dem Höchsten, dem Gött- 
lichen verwandt; wesshalb es auch nie und nirgend 
eine wahre Kunst giebt ohne Religion; und wo 
„der Sinn den Wahrhaftigen zu erkennen", wie die 
Schrift sagt, sinkt und schwindet, da sinkt, versäuert 
und versumpft auch die Kunst, und alle Kunst- 
akademien können sie nicht wieder beleben. 
In Deutschland gab es eine Zeit, wo die Lieb- 
haberei für Kupferstiche von Wille schwärmte, und 
die Gelehrten schmückten ihre Studierzimmer gern 
mit Portraitstichen von Bause, die an Wille's Manier 
erinnerten. Allein die heitere Welt der Niederländer, 
die Wille's trefflicher Grrabstichel dargestellt hatte, 
genügte am Ende nicht mehr in einer Zeit, wo unter 
schweren Drangsalen das Lachen theuer geworden 
war; man sehnte sich nach dem Höheren, nach dem
        

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