Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-713005
hören, sondern nur sehen sollen, wie es so die Art 
der glatten französischen Hohlheit und Eitelkeit ist, 
die eben nur gesehn sein will; so wünscht der 
deutsche Meister vielmehr, dass er auch gehört 
und vernommen wird und ein Stück seines Gemüthes 
uns offenbare. Der Franzose figurirt für das Auge, 
der Deutsche auch für das Ohr. Der Deutsche hat 
mehr von dem das Gemüth bewegenden Gesang, 
der Franzose mehr von dem die Sinne erregenden 
Tanz. (Vergl. Lasaulx Philosophie der schönen 
Künste.) Wenn nun Chodowiecki in dieser seiner 
gemüthlichen Art auch manche Scene der Unnatur, 
der Verderbniss, der Barbarei und des Abgeschmacks 
in kleinen Monatskupfern trefflich dargestellt hat, so 
hat er doch sein Talent darin allein nie befriedigen 
können, und er wusste dem Hassenswerthen auch 
das liebenswürdige und Scenen einer gesunden 
Natur entgegen zu stellen.  Man darf wohl sagen, 
dass Chodowiecki ein historisches Talent hatte. Aber 
die Zeit, wo man die Chronik in F olianten schrieb, 
war vorüber, und in der Zeit, wo man angefangen 
hatte, Weltgeschichte in Duodez-Almanachs und 
Taschenbibliotheken zu schreiben, fügte sich sein 
Talent auch in dies Format, ja es ward ihm in diesem 
Formate, als eine kleine Welt, erst recht lebendig, 
wo sie dann mit Behaglichkeit und Befriedigung 
überschaut werden konnte.  Hohe Ideen in grossen, 
gewaltigen Conceptionen darzustellen, war dieser 
Künstler nicht fähig; in einer Zeit, wo die ideale 
Kunst verstummt war, war auch Chodowiecki kein 
Prophet dieser Kunst; aber ein ideeloser Künstler 
war er nicht; im Gegentheil, seine ideale Bildungs- 
kraft war so rege, so lebendig, dass in ihr Alles,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.