Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-712963
1756 begann er das Radiren. 1767 lenkte sein Ge- 
mälde „das Unglück der Familie Calas", das er auf 
Rath seiner Freunde auch in Kupfer stach, die all- 
gemeine Aufmerksamkeit auf ihn, und seit der Zeit 
begann der Ruf, den er als Zeichner und Radirer 
hatte. Die Königl. Akademie gab ihm Aufträge für 
ihren Almanach; Lavater für seine Physionomik, und 
Basedow für sein Elementarwerk; und nun wurde er 
von allen Seiten mit Bestellungen und Aufträgen 
überhäuft, die er mit Sorgfalt und Pünktlichkeit bis 
zu seinem Tode 1801 ausführte. Die Leipziger 
Buchhändler forderten gewöhnlich nur Zeichnungen 
von ihm, die sie von anderen Kupferstechern aus- 
führen liessen; allein die Berliner fanden bald den 
Vorzug, den seine eigenen Radirungen hatten, und 
so kam es bald dahin, dass er die meisten seiner 
Zeichnungen auch radiren musste. Eine hierauf be- 
zügliche Anekdote, die er selbst erzählt, mag hier 
stehen: Für Lavater hatte er das Bildniss der 
Karschin gezeichnet, das von Lips in Kupfer 
gestochen ward. Die Dichterin war aber mit diesem 
Bilde so unzufrieden, dass sie einmal zu ihm kam 
und aus freien Stücken zu singen anüng: 
Ja, lieber Chodowiecki, höre, 
Du musst ein Retter Deiner Ehre 
Und meines Geist's Charakters sein; 
Du sollst mein Bildniss wahr und fein, 
Durch jede Nachwelt fortzuleben, 
In selbst gestochnem Kupfer geben. 
Denn jener Kopf, den uns ein Schweizer Jüngling gab, 
Radirte mir die Herzensgüte, 
Das stille duldende Gemüthe, 
Mit rauhem, harten GrilTel ab; 
 Lips heisst der gute Mensch mit Namen, 
Von dem die Grazien ihre Opfer nicht bekamen;
        

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