Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-712475
gestochen, wie Mellan, mit einer einfachen Lage 
parallel geschwungener Linien, aber er wechselt im 
Vortrage und begnügt sich nicht, die verschiedenen 
Formen durch Vertiefung der Schatten etc. hervorzu- 
bringen, noch weniger fühlt er sich versucht zu der 
Spielerei mit einer einzigen Spirale. Er wendet ein- 
fache parallele Strichlagen in den Draperien an und 
zeigt, wie wirksam sie hier sein können, um z. B. 
den Effect seidener oder leinener Stoffe hervorzu- 
bringen. Auch Weiss er das Trockene solcher Strich- 
lagen durch Zwischenarbeit zu vermeiden. In den 
Draperien Wendet er auch gegitterte Strichlagen an. 
Auch die Fleischtöne behandelt er wohl mit ein- 
fachen Strichlagen, vertieft aber die Schatten durch 
gekreuzte Strichlagen. Seine einfachen Strichlagen 
scheinen schärfer und reiner geschnitten, und be- 
wirken am rechten Orte einen Glanz, den Mellan zu 
vermeiden schien. lNeu und eigenthümlich ist bei 
ihm die Behandlung der Mitteltinten in den Köpfen 
durch längliche Grrabstichelpunkte, die er mit grosser 
Leichtigkeit und Zartheit bis in die höchsten Lichter 
verschimmern lässt. Mit dem allen ist Nanteuil ein 
verdienstvoller Künstler, der die Technik des Por- 
traitstichs wesentlich gefördert hat. Wenn gleich- 
wohl seine Bildnisse, obwohl viel Liebhaber, doch 
nicht den Beifall finden, den sie verdienen, so mag 
es zum Theil mit daran liegen, dass er sie als Brust- 
bilder in eine medaillonartige Umrahmung gesetzt 
und dadurch die Wirkung des Colorits beeinträchtigt 
hat, die in Kniestücken, ganzen Figuren mit Beiwerk 
lebhafter entfaltet werden kann. Man sollte auch 
bei einem Portrait die Hand wenigstens nicht ver- 
missen, als den Ausdruck des thätigen, beschäftigten
        

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