Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-712454
wo er lange seine Kunst studirte, pflegte er seine 
Stiche gitterartig zu schrafiiren. Doch mochte ihm 
diese Manier, wie den Italienern, zu kalt und zu hart 
erscheinen; so kam er auf den sinnreichen Einfall, 
seiner Schraffire die möglichste Einfachheit zu geben 
und bewirkte sie durch einfache, parallel laufende 
Linien, die nach der Gestalt der Formen geschwungen 
und nach Verhältniss und Erforderniss der Schatten 
vertieft wurden. Es gelang ihm mit dieser Sparsam- 
keit in der Schraffire so glücklich zu operiren, dass 
er, als er nach seiner Rückkehr aus Rom in Paris 
sich niederliess, und seit dieser Zeit dieser Manier 
sich bediente, nicht bloss Beifall, sondern selbst Be- 
wunderung erntete, die vielleicht seinem sonderbaren 
Talente mehr als den Kunstwerken galt, die er da- 
mit hervor-brachte. Indess ehrte doch auch Lud- 
wig XIV. sein Talent damit, dass er ihm ein Jahr- 
gehalt und eine Wohnung im Louvre (in aedibus 
regis) gab. Was für ein launenhaftes Spiel er 
gelegentlich mit seiner Manier trieb, beweist sein 
fast lebensgrosser, dornengekrönter Christuskopf, der 
mit einer einzigen Spirale, die auf der Nasenspitze 
anfängt, gebildet ist, und ihre Windungen bis in die 
äussersten Winkel des Blattes fortsetzend, den 
Heiligenschein um das Haupt, wie die Unterschrift: 
„formatur unicus una" bildet. Doch hat Mellan auch 
das Verdienst, zu seiner Zeit eine geregelte, feste 
Strichmanier wieder in Aufnahme, Anwendung und 
Uebung gebracht zu haben; und die Stecherkunst 
verdankt seinem eigensinnigen Fleisse gute Frucht 
und nicht unwerthe Bereicherung, wie wir dies so- 
gleich bei seinem Zeitgenossen Robert Nanteuil, dem
        

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