Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710921
nicht darin wiederfinden konnte, und darum ent- 
schieden nicht so befriedigt werden konnte wie die 
Künstlerwelt, die in diesen Darstellungen nur die Kunst 
und Ideale der Kunst sah. Und da nun auch der 
Kupferstich aus dieser Sphäre seine Darstellungen 
nahm, so fand er beim Volke wenig Theilnahme. 
Nur die Maler und die reichen Mäcene der Kunst 
wandten ihm Beachtung zu. 
In Deutschland war es 
anders. 
Hier 
bestand 
keine 
Scheidewand 
zwischen 
dem 
Idealen 
und Wirk- 
lichen; in der Kunst fand nur das Beifall, was der 
italienischen Kunst fehlte, nämlich die unmittelbare 
Beziehung mit dem wirklichen Leben; und weil 
hier Maler und Kupferstecher aus ihrem realistisch 
gerichteten Kunstgeiste eigene Erfindungen 
schöpften, und mit allen Attributen des wirklichen 
Lebens ausstatteten, so fanden sie im ganzen Volke 
lebhafte Theilnahme. Der Kupferstich ward hier 
eine dem Geiste und Sinn, dem Denken und Fühlen 
des Volkes verwandte, ja homogene, aus dem Geiste 
und Leben des Volkes geschöpfte Kunst.  WVeil 
in Deutschland, bei dem Mangel an monumentaler 
Malerei die Kunst keine Gelegenheit hatte, sich in 
ihrer idealen Grösse und Macht zu entfalten, so 
zog sich der plastische Kunsttrieb zurück in die 
engere, kleinere Welt eines häuslich gemüthlichen 
Daseins und schmückte sie mit jenen kleinen poeti- 
schen Bildern, für deren Dimensionen selbst die 
Farbe noch zu gross und der Pinsel zu breit 
erschien. Man liess die Palette und griff zur 
Kupferplatte und zu dem feinzeichnenden Grab- 
stichel, um mit dessen feinen saubern Linien 
weder Malerei noch blosse Zeichnung, sondern
        

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